Monumentale schwarze Skulpturen, abgedunkelte Räume, großformatige Gemälde: Die US-amerikanische Künstlerin Torkwase Dyson verwandelt das Kunsthaus Bregenz in einen Erfahrungsraum über Körper, Geografie und die Geschichte Schwarzer Emanzipation.
Ein Foyer, geteilt wie eine Schranke
Wer das Erdgeschoss des Kunsthaus Bregenz betritt, stößt sofort auf sie: zwei schwarze, segelförmige Elemente aus Pappelsperrholz, die Peter Zumthors Foyer in zwei Hälften teilen. Eines schwebt eingespannt zwischen Decke und Boden, das andere – ein steiles Dreieck – ragt mit seiner Spitze durch die Decke ins Obergeschoss. Elegant und bedrohlich zugleich, federleicht und monumental: Die Skulpturen markieren den Raum wie eine Schranke, eine stürzende Klinge, ein Revers. Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung von Torkwase Dyson in Österreich.
Hypershapes und Black Compositional Thought
Die Formen, die Dyson „Hypershapes” nennt, sind nicht bloß ästhetische Setzungen. Sie sind in der Theorie des Black Compositional Thought verankert – einem Denken, das die selbstbestimmte Emanzipation Schwarzer Menschen aus einer durch Sklaverei und Kolonialismus geprägten Geografie Nordamerikas in abstrakte Form überführt. Dyson versteht Geografie nicht als neutrale physische Ordnung, sondern als Produkt von Machtverhältnissen, historischen Prozessen und politischen Eingriffen. Die Frage „Was ist ein Raum?” wird bei ihr zur zutiefst humanistischen Frage: Wer darf sich wo aufhalten? Wer wird kontrolliert, eingeschränkt, ausgeschlossen?
Schwarzes Holz als eingeschriebene Geschichte
Die Skulpturen werden eigens für die Ausstellung im Bregenzerwald gefertigt. In einem tagelangen Prozess tränkt Dyson das Holz mit schwarzer Lasur – nicht als bloße Oberflächenbehandlung, sondern als Form der Einschreibung. Das Aufsaugen des Schwarz wird zur Metapher: Geschichte, die sich ins Material setzt. In einem weiteren Schritt versieht sie die Oberflächen mit reduzierten malerischen und zeichnerischen Spuren, inspiriert von meditativen Streifzügen, antiken Sternbildern und persönlichen Erinnerungen.
Klang, Animation, Gemälde: Ein Haus in vier Ebenen
Die Ausstellung bespielt das gesamte Kunsthaus Bregenz. Im zweiten Obergeschoss, vollständig abgedunkelt, erweitern eine Stop-Motion-Animation und Klang den Raum: Akustik als räumliche Einschreibung, ohne materielle Gestalt und doch mit Volumen, Ausdehnung, Richtung. 34 kleinformatige Gemälde an einer Wand bilden die Partitur dieser Klanglandschaft ab – erstmals hier zu sehen. Im obersten Geschoss entfalten großformatige Gemälde in der charakteristischen Tageslicht-Situation des Hauses ihre volle Intensität: Abstraktionen von Wasserwegen und Infrastrukturen, die Dyson als Schauplätze kolonialer Traumata wie auch als Räume der Erfindung und Befreiung liest.
Parallel zur Biennale Venedig 2026
Die gleiche künstlerische Handschrift zeigt Dyson parallel in ihrem Beitrag zur Biennale Venedig 2026: Im Arsenale gruppiert sie monumentale schwarze Skulpturen, deren Schnittflächen durch farbiges Glas akzentuiert werden – auch dort geht es um Beziehungen zwischen Licht und Materie, Körper und Raum, Bewegung und Begrenzung.
Mehr unter: www.kunsthaus-bregenz.at






