Mirjam Zadoff wird neue Direktorin des Hauses der Geschichte Österreich in Wien

Prof. Dr. Mirjam Zadoff | © Stadt Frankfurt/Holger Menzel

Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) erhält eine neue Leitung: Die Historikerin, Kuratorin und Museumsmanagerin Mirjam Zadoff übernimmt am 1. März 2027 die Direktion des Wiener Museums. Die bisherige Leiterin des NS-Dokumentationszentrums München folgt auf Gründungsdirektorin Monika Sommer. Mit dem Führungswechsel beginnt für das hdgö eine wichtige Phase: Der geplante Umzug ins MuseumsQuartier Wien, die Entwicklung einer neuen Dauerausstellung und die stärkere internationale Vernetzung gehören zu den zentralen Aufgaben der künftigen Direktorin.

Mirjam Zadoff übernimmt Leitung des Hauses der Geschichte Österreich

Die Entscheidung über die neue Direktion des Hauses der Geschichte Österreich ist gefallen. Ab dem 1. März 2027 wird Mirjam Zadoff die Leitung des Museums übernehmen. Die 1974 in Innsbruck geborene Historikerin wurde vom Wissenschaftlichen Beirat unter dem Vorsitz von Oliver Rathkolb als erstgereihte Bewerberin empfohlen. Die Geschäftsführung der Österreichischen Nationalbibliothek folgte dieser Empfehlung.

Insgesamt hatten sich zwölf Personen um die Position beworben, darunter sieben Frauen und fünf Männer. Zehn Bewerbungen kamen aus Österreich, zwei aus dem Ausland. Für die Entscheidung waren insbesondere Zadoffs internationale Museumserfahrung, ihre wissenschaftliche Qualifikation und ihre Vorstellungen zur Weiterentwicklung des Hauses ausschlaggebend.

Oliver Rathkolb würdigte die künftige Direktorin als international erfahrene Kulturmanagerin und Historikerin. Er erwartet, dass das Museum unter ihrer Leitung insbesondere am geplanten neuen Standort im MuseumsQuartier stärker international wahrgenommen wird.

Vom NS-Dokumentationszentrum München nach Wien

Mirjam Zadoff verfügt über langjährige Erfahrung in Wissenschaft, historischer Forschung und Museumsleitung. Sie studierte Geschichte und Judaistik in Wien und promovierte 2006 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort habilitierte sie sich 2013. Anschließend übernahm sie eine Professur für Geschichte und Jüdische Studien an der Indiana University Bloomington in den USA. Seit 2018 leitet sie das NS-Dokumentationszentrum München. Darüber hinaus lehrt sie an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München.

Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die österreichische, europäische und jüdische Geschichte, der Nationalsozialismus und der Holocaust sowie internationale Erinnerungskultur. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Frage, wie Museen historische Inhalte vermitteln und gesellschaftliche Diskussionen ermöglichen können. Diese Erfahrungen sollen künftig in die Entwicklung des Hauses der Geschichte Österreich einfließen.

Haus der Geschichte Österreich zieht ins MuseumsQuartier Wien

Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Direktorin wird die Vorbereitung des geplanten Museumsneubaus sein. Das Haus der Geschichte Österreich wurde 2018 als erstes zeitgeschichtliches Museum des österreichischen Bundes in der Neuen Burg am Wiener Heldenplatz eröffnet. Seit 2023 bestehen Pläne, das Museum an einen neuen Standort im MuseumsQuartier Wien zu verlegen.

Der Architekturwettbewerb für den geplanten Um- und Neubau wurde 2024 vom Architekturbüro O & O Baukunst gewonnen. Mit dem Projekt soll die Ausstellungs- und Vermittlungsfläche auf rund 3.000 Quadratmeter erweitert werden. Anfang 2026 bestätigte Kulturminister Andreas Babler, dass die Pläne für den Umzug weiterverfolgt werden. Für Mirjam Zadoff bedeutet dies, dass sie neben der inhaltlichen Leitung auch die Weiterentwicklung des Museumsstandorts begleiten wird.

Neue Dauerausstellung soll österreichische Geschichte umfassender erzählen

Mit dem geplanten Umzug ist eine grundlegende Neugestaltung der Dauerausstellung verbunden. Nach den Vorstellungen von Mirjam Zadoff soll die künftige Präsentation nicht nur die Geschichte der Ersten und Zweiten Republik behandeln. Auch die letzten sechs bis sieben Jahrzehnte der Habsburgermonarchie und die Geschichte des österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaates sollen stärker berücksichtigt werden.

Damit würde die historische Erzählung zeitlich weiter zurückreichen und Österreichs Entwicklung deutlicher in einen mittel- und osteuropäischen Zusammenhang stellen. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach politischen Umbrüchen, gesellschaftlichen Veränderungen und den historischen Verbindungen zwischen den Bevölkerungsgruppen Mitteleuropas. Die geplante Erweiterung könnte damit neue Perspektiven auf die österreichische Geschichte eröffnen und ihre internationalen Verflechtungen stärker sichtbar machen.

Erinnerungskultur: Krieg, Flucht und Holocaust bleiben zentrale Themen

Die neue Direktorin möchte das Museum als Ort einer vielstimmigen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart weiterentwickeln. Besondere Bedeutung misst sie dabei den gewaltvollen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts bei. Krieg, Flucht und Holocaust sollen ebenso behandelt werden wie Fragen nach gesellschaftlichem Zusammenhalt, Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Damit knüpft Zadoff an ihre bisherige Arbeit am NS-Dokumentationszentrum München an.

Zugleich möchte sie historische Erfahrungen stärker mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Fragestellungen verbinden. Das Museum soll nicht nur Wissen über vergangene Ereignisse vermitteln, sondern auch zur Diskussion über deren Bedeutung für die Gegenwart anregen.

Mehr Platz für Workshops, Seminare und öffentliche Diskussionen

Ein wichtiger Bestandteil des geplanten Museumsneubaus ist die Erweiterung der Vermittlungsangebote. Am neuen Standort sollen zusätzliche Räume für Seminare, Workshops und Bildungsprogramme entstehen. Auch ein Veranstaltungssaal ist vorgesehen. Damit möchte Zadoff das Haus der Geschichte Österreich stärker als öffentlichen Diskussionsort positionieren. Museen versteht sie nicht ausschließlich als Einrichtungen, die historische Objekte sammeln, bewahren und ausstellen. Vielmehr sollen sie Räume schaffen, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und gesellschaftliche Fragen diskutieren können. Die geplanten neuen Räumlichkeiten sollen dafür zusätzliche Möglichkeiten bieten.

Monika Sommer prägte das Haus der Geschichte Österreich seit seiner Gründung

Mit dem Amtsantritt von Mirjam Zadoff endet die Gründungsdirektion von Monika Sommer. Sommer hatte den Aufbau des Hauses der Geschichte Österreich maßgeblich gestaltet und das Museum seit seiner Eröffnung 2018 in der österreichischen Museumslandschaft etabliert. Unter ihrer Leitung entwickelte das hdgö Ausstellungen, Sammlungsstrategien und Vermittlungsangebote, die sich mit der österreichischen Zeitgeschichte und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung beschäftigen. Michaela Mayr, Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, würdigte Sommers Arbeit und die Leistungen des Museumsteams. Zadoff soll an diese Entwicklung anknüpfen und das Haus gemeinsam mit den Mitarbeitenden in seine nächste Phase führen.

Haus der Geschichte Österreich vor einem neuen Abschnitt

Mit Mirjam Zadoff übernimmt eine international vernetzte Historikerin die Leitung des Hauses der Geschichte Österreich. Ihre Erfahrungen in der Museumsarbeit, der historischen Forschung und der Vermittlung von Erinnerungskultur treffen auf eine Phase umfassender institutioneller Veränderungen. Der geplante neue Standort im MuseumsQuartier, die Erweiterung der Ausstellungsflächen und die Entwicklung einer neuen Dauerausstellung bieten die Möglichkeit, das Museum inhaltlich und räumlich weiterzuentwickeln. Dabei soll österreichische Geschichte stärker im europäischen Zusammenhang erzählt werden. Zugleich möchte Zadoff das Haus als offenen Ort des Austauschs etablieren, an dem historische Forschung, gesellschaftliche Debatten und unterschiedliche Perspektiven auf Vergangenheit und Gegenwart zusammenkommen.

Pressemitteilung hier

Mehr unter: hdgoe.at

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