Leuchtende Blumenfelder, geheimnisvolle Wälder und Wasserfälle in intensiven Farben: Die Albertina in Wien präsentiert mit „Shara Hughes. Sink In“ die erste museale Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin in Österreich. Bis zum 28. Februar 2027 sind ihre außergewöhnlichen Landschaftsbilder zu sehen, die Naturdarstellungen mit persönlichen Erinnerungen, Emotionen und inneren Bildern verbinden. Die Ausstellung eröffnet einen Einblick in eine zeitgenössische Malerei, die zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit neue Bildwelten entstehen lässt.
Shara Hughes: Erste museale Einzelausstellung in Österreich
Die 1981 geborene US-amerikanische Künstlerin Shara Hughes zählt zu den international anerkannten Positionen der zeitgenössischen Malerei. Mit der Ausstellung „Sink In“ widmet ihr die Albertina erstmals eine museale Einzelausstellung in Österreich. Im Mittelpunkt stehen Landschaftsgemälde, die Hughes seit etwa einem Jahrzehnt zu einem zentralen Thema ihrer künstlerischen Arbeit gemacht hat.
Ihre Bilder zeigen eine Natur, die vertraut erscheint und sich zugleich jeder eindeutigen Zuordnung entzieht. Überdimensionierte Blüten wachsen wie Bäume in den Himmel, Pflanzen verwandeln sich in ungewöhnliche Gebilde und intensive Lichtstimmungen lassen Landschaften beinahe übernatürlich wirken. Die Werke bewegen sich zwischen realer Naturbeobachtung und einer Bildwelt, die aus persönlichen Vorstellungen und Gefühlen entsteht.
„Sink In“: Landschaftsmalerei als Ausdruck innerer Zustände
Anders als traditionelle Landschaftsgemälde zeigen die Arbeiten von Shara Hughes keine konkreten geografischen Orte. Ihre Landschaften entstehen aus einem intuitiven künstlerischen Prozess. Dabei geht es weniger um die naturgetreue Darstellung von Bergen, Wäldern oder Gewässern als um die Übersetzung emotionaler Erfahrungen in Farben und Formen.
Erinnerungen, Stimmungen und Empfindungen werden zum Ausgangspunkt einer Malerei, die innere Zustände sichtbar machen soll. Die dargestellten Orte sind erfunden, wirken aber dennoch nicht vollkommen fiktiv. Sie greifen vertraute Elemente der Natur auf und verändern sie so, dass neue Bedeutungen entstehen. Der Ausstellungstitel „Sink In“ lässt sich sinngemäß als ein Eintauchen oder Sich-Einlassen verstehen. Er verweist auf die intensive Wahrnehmung der Bilder und die Möglichkeit, sich auf ihre ungewöhnlichen Farb- und Formwelten einzulassen.
Fantastische Naturbilder: Blumen, Wälder und Wasserfälle
Ein charakteristisches Merkmal von Hughes’ Malerei ist die Verwandlung vertrauter Naturmotive. Blumen erscheinen in monumentalen Dimensionen, Bäume entwickeln ungewöhnliche Formen und Wasserfälle werden zu geheimnisvollen Schauplätzen. Häufig entstehen Landschaften, in denen sich verschiedene Naturerscheinungen miteinander verbinden. Leuchtende Sonnenuntergänge spiegeln sich im Wasser, während Gestirne am Horizont eine intensive Lichtwirkung erzeugen. Die Farbgebung folgt dabei nicht den Regeln realistischer Naturdarstellung. Stattdessen setzt Hughes kräftige Kontraste, überraschende Farbkombinationen und expressive Formen ein. Dadurch entstehen Bilder, die gleichzeitig an Märchenlandschaften, Traumbilder und emotionale Erinnerungsräume erinnern.
Georgia O’Keeffe, Fauvismus und Expressionismus als künstlerische Bezugspunkte
Shara Hughes’ Arbeiten lassen sich mit verschiedenen Strömungen der Kunstgeschichte in Verbindung bringen. Besonders deutlich werden Parallelen zur amerikanischen Malerin Georgia O’Keeffe, deren großformatige Blumenbilder und abstrahierte Naturformen zu den bekanntesten Werken der amerikanischen Moderne zählen. Auch die intensive Farbigkeit des Fauvismus bildet einen wichtigen kunsthistorischen Bezugspunkt.
Künstler wie Henri Matisse und André Derain verwendeten zu Beginn des 20. Jahrhunderts leuchtende, teilweise von der Natur losgelöste Farben, um eine eigenständige Bildwirkung zu erzielen. Darüber hinaus erinnern Hughes’ expressive Formen und emotional aufgeladene Landschaften an den Expressionismus. Die Künstlerin greift solche Traditionen jedoch nicht einfach auf, sondern entwickelt daraus eine unverwechselbare zeitgenössische Bildsprache.
Zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit
Eine besondere Qualität der Gemälde liegt in ihrem Wechselspiel zwischen erkennbaren Naturformen und abstrakten Bildelementen. Auf den ersten Blick lassen sich Blumen, Pflanzen, Wasser oder Himmelserscheinungen identifizieren. Bei genauerer Betrachtung lösen sich diese Motive teilweise in freie Farbflächen, Linien und ungewöhnliche Strukturen auf. Hughes nutzt diese Offenheit, um die Wahrnehmung der Betrachtenden herauszufordern. Die Bilder bieten keine eindeutige Erzählung und keinen festgelegten geografischen Bezugspunkt. Stattdessen entstehen unterschiedliche Assoziationen, die von persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen beeinflusst werden können. So wird die Landschaft zum Ausdruck einer subjektiven Wahrnehmung, die sich zwischen äußerer Wirklichkeit und innerem Erleben bewegt.
Landschaften als Spiegel von Erinnerungen und Emotionen
In der Kunstgeschichte wurde die Landschaft lange Zeit als Darstellung der sichtbaren Natur verstanden. Seit der Romantik entwickelte sie sich zunehmend auch zu einem Medium, um Gefühle, Sehnsüchte und existenzielle Erfahrungen auszudrücken. Shara Hughes knüpft an diese Tradition an, ohne ihre Bildwelten als romantische Rückzugsorte zu gestalten.
Ihre Landschaften sind keine idealisierten Naturparadiese. Vielmehr verbinden sie Schönheit mit Unruhe, Vertrautheit mit Fremdheit und intensive Farbigkeit mit einer teilweise rätselhaften Atmosphäre. Die Natur wird damit zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit psychologischen und emotionalen Zuständen. Gerade die ungewöhnlichen Proportionen und Lichtverhältnisse machen deutlich, dass es Hughes nicht um die Abbildung einer äußeren Landschaft geht. Ihre Gemälde zeigen vielmehr, wie Natur in der menschlichen Vorstellung verändert und neu zusammengesetzt werden kann.
Albertina Wien zeigt internationale Gegenwartskunst
Die Albertina zählt zu den bedeutenden Kunstmuseen Österreichs und ist insbesondere für ihre umfangreichen grafischen Sammlungen bekannt. Neben historischen Meisterwerken präsentiert das Museum regelmäßig internationale Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst. Mit „Shara Hughes. Sink In“ rückt die Albertina eine Künstlerin in den Mittelpunkt, die das traditionelle Genre der Landschaftsmalerei auf eigenständige Weise weiterentwickelt. Die Ausstellung verdeutlicht, wie gegenständliche Motive und abstrakte Ausdrucksformen in der zeitgenössischen Malerei miteinander verbunden werden können. Zugleich lädt sie dazu ein, Landschaftsbilder nicht ausschließlich als Darstellungen von Natur zu betrachten, sondern als visuelle Ausdrucksformen menschlicher Erfahrungen.
„Shara Hughes. Sink In“ noch bis Februar 2027 in Wien
Die Ausstellung „Shara Hughes. Sink In“ ist noch bis zum 28. Februar 2027 in der Albertina Wien zu sehen. Mit ihren farbintensiven Landschaftsgemälden eröffnet die US-amerikanische Künstlerin eine Bildwelt, in der natürliche Formen, persönliche Erinnerungen und emotionale Zustände miteinander verschmelzen. Die Werke zeigen, wie Landschaftsmalerei auch im 21. Jahrhundert neue Ausdrucksmöglichkeiten entwickeln kann. Statt konkrete Orte abzubilden, schafft Hughes Bilder, die zwischen Wirklichkeit, Vorstellung und individueller Wahrnehmung vermitteln.
Mehr unter: albertina.at






