In der Staatlichen Münzsammlung München können Besucher Werkzeuge bestaunen, die sonst streng geheim sind: die Punzen. Diese eisernen Schablonen bildeten das Herzstück der Medaillenherstellung – und sind normalerweise in Tresoren der Münzfabriken verborgen. Prof. Mark Hengerer, LMU München nimt uns mit zu einem Blick hinter die Kulissen der Prägekunst zeigt, warum diese Technik so faszinierend und gleichzeitig so kompliziert ist.
Eisernes Handwerk: Was ist eine Punze?
Die Ausstellung zeigt Werkzeuge, die man selbst in Frankreich nicht zu Gesicht bekommt: Dort lagern sie in Tresoren der Münzfabriken, gut bewacht und für die Öffentlichkeit unzugänglich. In München hingegen können Besucher diese Meisterwerke der Prägekunst nun bewundern. Eine Punze ist ein großes, massives Eisenstück. In diesen Block hinein wird das Portrait eines Königs oder ein anderes Motiv von Hand herausgearbeitet – ein Prozess, der absolute Könnerschaft erfordert. Das Ergebnis ist eine Art Relief-Stempel, der als Ausgangspunkt für die gesamte Medaillenproduktion dient.
Vom positiven Eisen zum negativen Stempel
Doch wie gelangt das Bild von der Punze auf die Medaille? Zunächst wird die geschnittene Punze gehärtet und weiterbearbeitet. Dann schlägt der Handwerker mit ihr in den eigentlichen Prägestempel ein. Dadurch wird das ursprünglich positive Bild – also das herausgearbeitete Portrait – als Negativ in den Stempel übertragen. Erst wenn man mit diesem Prägestempel dann eine Medaille prägt, erscheint das Motiv wieder positiv, so wie es am Ende aussehen soll. Ein scheinbar umständlicher Weg, der jedoch eine geniale Lösung für ein altes Problem darstellt.
Die clevere Reserve: Warum das System so funktioniert
Der Grund für diese aufwendige Zwischenschaltung liegt im Alltag der Münzstätte: Prägestempel werden häufig benutzt, verlieren mit der Zeit an Kontur und gehen oft kaputt. Wäre das kunstvolle Portrait direkt in den Stempel geschnitten, müsste bei jedem Defekt das schwierigste und aufwendigste Stück komplett neu geschaffen werden. Dank der Punze hat man das Künstlerisch-wertvolle Motiv jedoch als Reserve gespeichert. Wenn ein Prägestempel zerbricht oder abnutzt, kann man das Portrait mit der Punze neu in einen frischen Stempel einschlagen. Die einfacheren Teile – Inschriften, Jahreszahlen oder kleine Zierelemente – lassen sich dann relativ leicht ergänzen. So entsteht Medaille für Medaille ein neues Stück, ohne dass der Meister jedes Mal von vorne beginnen muss.
Mehr unter: www.staatliche-muenzsammlung.de





