Heimkehr nach fast 90 Jahren: Lübecker Museum erwirbt Karl Hofers „Paar am Fenster” zurück

Karl Hofer, Paar am Fenster, 1925 
© Lübecker Museen, Museum Behnhaus Drägerhaus 

1927 für die Sammlung gekauft, 1937 als „entartete Kunst” beschlagnahmt – das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck holt ein bedeutendes Werk der Moderne in seine Sammlung zurück. Die verschlungenen Wege des Werks sind so bewegend wie komplex.

Ein Gemälde kehrt heim

Das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck hat das Gemälde „Paar am Fenster” (1925) von Karl Hofer (1878–1955) erworben. Das Werk war bereits in den 1920er-Jahren Teil der Museumssammlung – bis es 1937 im Rahmen der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst” beschlagnahmt wurde. Nach fast neun Jahrzehnten kehrt es nun an den Ort zurück, für den es ursprünglich erworben wurde.

Wie das Werk in die Sammlung kam – und wie es verschwand

Museumsdirektor Carl Georg Heise erwarb „Paar am Fenster” 1927 direkt vom Künstler für die von ihm aufgebaute Moderne-Sammlung. 1933 wurde Heise im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung aus seinem Amt entlassen. Vier Jahre später, 1937, beschlagnahmten die Nationalsozialisten zusammen mit rund 200 weiteren als „entartet” diffamierten Werken auch Hofers Gemälde und lagerten es in Schloss Schönhausen in Berlin ein.

Ein Netzwerk des stillen Widerstands

Der weitere Weg des Werks ist bemerkenswert: Bernhard A. Böhmer, einer von vier vom NS-Propagandaministerium beauftragten Kunsthändlern, verkaufte das Werk – entgegen den offiziellen Vorgaben, die einen Verkauf ins Ausland vorsahen – auf Vermittlung des entlassenen Direktors Heise an den Industriellen und Kunstsammler Walter Albert Bauer in Fulda. Bauer war während der NS-Zeit im Widerstand aktiv. Das Gemälde blieb so in Deutschland und im Eigentum der Familie Bauer – bis es 2025 bei einer Auktion angeboten wurde und das Lübecker Museum die Gelegenheit zur Rückerwerbung nutzte.

Karl Hofer: Ein Maler, den das Regime verfolgte

Karl Hofer gehört zu den bedeutenden Malern der deutschen Moderne. 1934 wurde er als einer der ersten Hochschullehrer aus dem Dienst entlassen, 1938 folgte der Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste und ein Berufsverbot. Insgesamt 311 seiner Werke wurden 1937 aus deutschen Museen entfernt. „Paar am Fenster”, entstanden während der Weimarer Republik, verbindet Hofers charakteristische Formensprache – expressiv und zugleich klar, mit Anklängen an die Neue Sachlichkeit – mit einem sozialkritischen Blick: Die Darstellung zweier Menschen vor einer maroden Fassade lässt sich als Zeugnis menschlichen Zusammenhalts in unsicherer Zeit lesen.

Aufarbeitung und Würdigung

Mit dem Rückerwerb plant das Museum eine umfangreiche Aufarbeitung der Verlustgeschichte der im Nationalsozialismus beschlagnahmten Werke. Zugleich soll das Engagement des ehemaligen Direktors Carl Georg Heise gewürdigt werden, der nicht nur eine bedeutende Moderne-Sammlung aufgebaut, sondern auch nach seiner Entlassung Wege gefunden hat, Kunstwerke vor dem endgültigen Verschwinden zu bewahren.

Der Erwerb wurde von der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung sowie dem Verein der Freunde der Museen für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck e.V., Lions Club Lübeck Hanse, Ellen Ehrich, Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung ermöglicht.

Mehr unter: museum-behnhaus-draegerhaus.de/

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