Prompting ohne schlechtes Gewissen: Das ZKM zeigt, wie Museen KI datenschutzkonform einsetzen können

Datenschutz, Chancengleichheit und digitale Kompetenz – das ZKM Karlsruhe hat eine eigene KI-Infrastruktur für seine Mitarbeitenden aufgebaut. Ein Erfahrungsbericht, der weit über das eigene Haus hinausweist.

Wer im Museum KI nutzen will, steht schnell vor einem Dilemma: Kommerzielle Anbieter wie ChatGPT sind leistungsstark, aber datenschutzrechtlich problematisch. Interne Lösungen sind sicher, aber oft zu langsam und zu aufwändig. Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe hat einen dritten Weg gefunden – und Marc Schütze sowie Christoph Wetzel berichten, wie das gelungen ist.

Der Ausgangspunkt war eine unbefriedigende Situation: Manche Mitarbeitenden nutzten kostenlose KI-Accounts, andere teure Bezahlmodelle, wieder andere gar nichts. Daten flossen in die USA, ohne dass jemand wirklich wusste, was damit geschah. „Wir wollten ein Portal für alle anbieten und alle darauf schulen”, erklärt Schütze. Das Ziel: Prompting ohne schlechtes Gewissen – ein Tool, das alle nutzen können, ohne sich um Datenschutz, DSGVO und Datensicherheit selbst kümmern zu müssen.

GWDG als europäischer Kooperationspartner

Die technische Lösung fand das ZKM in der GWDG, der Fördergesellschaft der Universität Göttingen, die europakonforme, datenschutzzertifizierte Modelle bereitstellt. Als Plattform dient Open WebUI, über die verschiedene Modelle eingebunden werden können. Die Gewissheit: Was eingegeben wird, fließt nicht ab. „Compute und dann in den Mülleimer”, fasst Schütze das Prinzip zusammen.

Vom ersten Startschuss bis zur breiten Nutzung vergingen rund fünf Monate – iterativ, mit viel Feedback der Mitarbeitenden und kontinuierlicher Anpassung. Bewusst wurde klein angefangen: erst einfaches Prompting ohne eigene Datenquellen, dann schrittweise Anbindung interner Wissensbestände. Denn nur wenn das eigene System besser wird als kommerzielle Alternativen, lassen sich alle Mitarbeitenden überzeugen.

Ein Modell für die Museumslandschaft

Was das ZKM gelernt hat, gilt weit über das eigene Haus hinaus. Kleinere Museen ohne eigene Infrastruktur stehen vor enormen Herausforderungen. Schütze und Wetzel plädieren deshalb für geteilte Kompetenzen, gemeinsame Lösungen und politische Unterstützung: „Nur wenn wir in die Breite der Museen kommen, können wir gemeinsam über eine nächste Abstraktionsebene sprechen.” KI-Kompetenz, so ihre Überzeugung, muss in den Institutionen selbst wachsen – von unten, nicht von oben verordnet.

Mehr unter: mai-tagung.lvr.de

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