“Mein lieber Schwan! Die Sammlung” – Das Sprengel Museum Hannover präsentiert seine Sammlung neu

Mit „Mein lieber Schwan! Die Sammlung“ präsentiert das Sprengel Museum Hannover ab dem 17. Mai 2026 seine Sammlung in einer umfassend neu konzipierten Ausstellung. Auf rund 3.000 Quadratmetern treten in 20 neu gestalteten Räumen mehr als 170 künstlerische Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts in überraschende Dialoge und ungewohnte Konstellationen. Die Neupräsentation verbindet Werke der Klassischen Moderne mit Gegenwartskunst und eröffnet neue Perspektiven auf Kunstgeschichte als offenes Geflecht aus Beziehungen, Brüchen und Wiederentdeckungen.

Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Max Beckmann, Pablo Picasso, Georg Baselitz, Isa Genzken, Hannah Höch, Bruce Nauman, Gerhard Richter, Karin Sander und Timm Ulrichs.

Die Ausstellung orientiert sich grundsätzlich an einer chronologischen Erzählung, durchbricht diese jedoch immer wieder durch thematische und ästhetische Interventionen. So entstehen neue Beziehungen zwischen den Werken, die vertraute kunsthistorische Perspektiven hinterfragen und erweitern.

Beziehungen sichtbar machen

„Uns interessiert, welche Beziehungen zwischen den Werken sichtbar werden. In dieser Präsentation bieten sich in teils ungewöhnlichen Konstellationen neue Interpretationsmöglichkeiten. Sie lassen vertraute Werke in neuem Licht erscheinen“, erklärt Kuratorin Inka Schube.

Der Ausstellungstitel, entlehnt einem Werk der hannoverschen Künstlerin Christiane Möbus, versteht sich dabei als programmatische Haltung: Neugier als Prinzip und Überraschung als Methode.

Reinhard Spieler betont die besondere Dichte und Vielfalt der Sammlung: Von den Avantgarden der Moderne bis zur Gegenwart eröffne die Präsentation einen offenen Denkraum, in dem Reibungen und unerwartete Zusammenhänge den Blick auf Kunstgeschichte verändern.

Die Ausstellung beginnt mit der Frage „Was ist Kunst?“ und untersucht im Auftaktraum die Beziehungen zwischen Kunst und Alltag. Arbeiten von Kurt Schwitters, Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri und Timm Ulrichs zeigen Kunst als Handlung, Material, Konzept oder Kommentar.

Kunst in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche

Weitere Räume widmen sich den Bewegungen der Moderne – von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit bis zu Konstruktivismus und Abstraktion. Positionen der Brücke, des Blauen Reiter oder der Hannoverschen Abstrakten werden dabei im Spannungsfeld gesellschaftlicher und politischer Umbrüche sichtbar gemacht.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Paris als Zentrum der Moderne. Künstler*innen wie Picasso, Marc Chagall, Max Ernst und Beckmann stehen exemplarisch für internationale Netzwerke und ästhetische Entwicklungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Parallel dazu thematisiert die Ausstellung Materialität, Geste und Prozesshaftigkeit in Informel, Abstraktem Expressionismus und Nouveau Réalisme.

Immer wieder öffnet sich die Präsentation zur Lebenswelt und verknüpft Kunst mit Fragen von Politik, Körper, Öffentlichkeit und Alltag. Arbeiten von Joseph Beuys, Dieter Roth und Franz Erhard Walther untersuchen dabei die Rolle des Kunstwerks ebenso wie die Bedingungen seiner Wahrnehmung.

Auch Erinnerung und historische Verantwortung bilden einen zentralen Fokus der Ausstellung. Werke von Thomas Schütte, Gerhard Richter und Kader Attia reflektieren den Umgang mit historischen Brüchen, insbesondere mit den Nachwirkungen des Nationalsozialismus und der kritischen Hinterfragung der sogenannten „Stunde Null“.

Die Ausstellung endet in offenen Konstellationen der Gegenwartskunst, in denen seit den 1960er-Jahren eine Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Medien, Stile und Ausdrucksformen sichtbar wird. Kunst erscheint hier als dynamisches Netzwerk aus Bezügen, Brüchen und Wiederaufnahmen.

Begleitet wird die Neupräsentation von einem neu entwickelten Vermittlungsprogramm. Ein „Kritzelmobil“ lädt Besucher*innen dazu ein, die Ausstellung spielerisch und experimentell zu erkunden. Ergänzend eröffnen ein Audioguide sowie eine begleitende Publikation vertiefende Zugänge zur Sammlung.

Zur Eröffnung am 17. Mai 2026 lädt das Sprengel Museum Hannover zu einem ganztägigen Programm mit Führungen, Workshops und offenen Angeboten ein. Die Neueröffnung versteht sich als Einladung, die Sammlung als Raum der Fragen, der Begegnung und der überraschenden Perspektiven neu zu entdecken.

Mehr unter: www.sprengel-museum.de

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