Maria Gerbaulet zeigt „Rachen“ im Kunstmuseum Moritzburg Halle

Frau steht vor einer grauen wand.Sie blickt in die Kamera, die Hände in den Taschen.
Maria Gerbaulet, Foto: Fabian Schwarze

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) präsentiert ab Freitag, dem 16. Oktober 2026, die Installation Rachen der Bildhauerin Maria Gerbaulet. Die Künstlerin wurde mit dem Gustav-Weidanz-Preis für Plastik 2025 ausgezeichnet. Sie setzte sich mit ihrer Bewerbung gegen insgesamt 97 Einsendungen aus dem gesamten Bundesgebiet durch. Mit ihrer ortsbezogenen Arbeit untersucht Gerbaulet das Verhältnis von Material, Architektur und Raumwahrnehmung.

„Rachen“: Zwischen Stabilität und Verletzlichkeit

Maria Gerbaulet lotet in ihren plastischen Arbeiten mit großer Sensibilität aus, wie Menschen ihre Umgebung und unterschiedliche Materialien wahrnehmen. Auch die großformatige Installation Rachen aus dem Jahr 2026 knüpft an diese künstlerische Auseinandersetzung an.

Eine weitläufige, textil anmutende Fläche verändert die Wahrnehmung des Ausstellungsraums: Der Blick wird von der Horizontalen auf die Vertikale gelenkt. Dabei rückt insbesondere der hohe Lichtschacht in den Mittelpunkt, der in der gewöhnlichen Wahrnehmung des Raumes eher in den Hintergrund tritt.

Baustellenmaterial wird zur hautähnlichen Oberfläche

Für ihre Installation kombiniert Gerbaulet lange Bahnen aus Gerüstnetz mit Latex-Bindemittel. Im Zusammenspiel mit der statischen Architektur entsteht ein spannungsreicher Zustand zwischen Stabilität und Instabilität. Zugleich greift die Künstlerin Fragen nach Intaktheit und Versehrtheit auf.

Das gewöhnliche Baustellenmaterial erhält durch die Bearbeitung eine neue Qualität: Es erscheint als hautähnliche, verletzliche Oberfläche, die den Raum neu definiert. Das natürliche und künstliche Ausstellungslicht verstärkt gemeinsam mit dem leichten Schimmer des Materials die visuelle Spannung der Installation.

Mit Rachen verwandelt Maria Gerbaulet vertraute Materialien in eine ungewöhnliche räumliche Erfahrung. Die Arbeit lenkt die Aufmerksamkeit auf die Wirkung von Oberflächen, auf die Beziehung zwischen Körperlichkeit und Architektur sowie auf die Grenzen zwischen Festigkeit und Verletzlichkeit.

Der Gustav-Weidanz-Preis für Plastik

Der Gustav-Weidanz-Preis wird seit 1975 gemeinsam von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) vergeben. Er richtet sich an junge Bildhauerinnen und Bildhauer und geht auf eine Stiftung des Bildhauers und Hochschullehrers Gustav Weidanz (1889–1970) zurück.

Weidanz lehrte von 1916 bis 1959 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die von ihm geleitete Bildhauereiklasse geschlossen hatten, trat er aus Sorge um seine Entlassung in die NSDAP ein. Öffentliche Aufträge erhielt er erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder. Nach Angaben des Museums stellte Weidanz sein künstlerisches Werk und seine Lehre weder nach 1933 noch nach 1945 in den Dienst politischer Propaganda.

Als seine Schülerinnen und Schüler ab den späten 1950er-Jahren im Kunstbetrieb der DDR zunehmend sichtbar wurden, fand auch die prägende Wirkung seiner Lehrtätigkeit überregional Anerkennung. Ab den 1970er-Jahren etablierte sich die Hallesche Bildhauerschule als feste Größe in der Kunstlandschaft der DDR.

Eine Stiftung für den Nachwuchs der Bildhauerei

Gustav Weidanz vermachte seinen materiellen künstlerischen Nachlass dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale). Zugleich setzte er die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle als Erbin ein und stiftete einen Preis zur Förderung des bildhauerischen Nachwuchses.

Der Gustav-Weidanz-Preis verbindet damit die Geschichte der Halleschen Bildhauerei mit der Förderung junger künstlerischer Positionen. Unterstützt wird die Auszeichnung durch den Freundes- und Förderkreis der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle e. V.

Mit der Präsentation von Rachen setzt das Kunstmuseum Moritzburg Halle diese Tradition fort und gibt Maria Gerbaulet die Möglichkeit, ihre eigenständige Auseinandersetzung mit Materialität, Raum und Wahrnehmung einem breiten Publikum vorzustellen.

Mehr unter: www.kunstmuseum-moritzburg.de

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