
Der Kunstverein Friedrichshafen zeigt noch bis 15. November 2026 die Einzelausstellung „Nothing but the truth“ des Künstlers John Hussain Flindt. Mit Fotografien, Videos und Installationen untersucht Flindt, wie persönliche Erinnerungen entstehen, Familiengeschichten überliefert werden und Bilder unsere Wahrnehmung von Vergangenheit prägen.
Im Mittelpunkt der Ausstellung „Nothing but the truth“ stehen Fragen nach der Glaubwürdigkeit dokumentarischer Bilder und der subjektiven Konstruktion von Erinnerung. John Hussain Flindt beschäftigt sich mit familiären Archiven, persönlichen Erzählungen und historischen Zusammenhängen. Dabei untersucht er, wie Bilder zu Trägern von Geschichten werden und welche Rolle sie bei der Bewahrung und Weitergabe von Erinnerungen spielen.
Seine künstlerischen Arbeiten bewegen sich zwischen Fotografie, Video und Installation. Persönliche Erfahrungen und historische Ereignisse werden miteinander verknüpft, um die Grenzen zwischen dokumentarischer Wahrheit und individueller Wahrnehmung sichtbar zu machen.
Fotografien und Installationen zwischen Erinnerung und Wirklichkeit
Ein zentraler Bestandteil der Ausstellung im Kunstverein Friedrichshafen ist eine Serie analoger Schwarzweißfotografien. Sie zeigt Spielzeuge, Alltagsgegenstände und Fragmente aus dem familiären Umfeld des Künstlers. Die fotografierten Objekte werden zu Ausgangspunkten für eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Frage, welche Erinnerungen durch Bilder bewahrt werden können.
Ergänzt wird die Fotoserie durch installative Arbeiten, die sich mit der Verletzlichkeit und Selektivität persönlicher Erinnerungen beschäftigen. Eine Installation zeigt ein Modell von Flindts Elternhaus, das erst durch einen speziellen Linsenmechanismus sichtbar wird. Die Arbeit thematisiert das Spannungsverhältnis zwischen familiärer Intimität, Sichtbarkeit und Offenlegung.
Familiengeschichte und koloniale Vergangenheit in Malaysia
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung führt nach Miri im malaysischen Bundesstaat Sarawak auf der Insel Borneo. Eine Videoarbeit und eine fotografische Serie greifen die Geschichte von Flindts Großvater auf, der zwischen 1948 und 1952 als Arzt im Miri General Hospital tätig war. Das Krankenhaus wurde damals vom Erdölunternehmen Shell Oil betrieben.
Ausgangspunkt der künstlerischen Auseinandersetzung ist ein unverfilmtes Drehbuch des Großvaters. Flindt nutzt dieses historische Familienmaterial, um persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der damaligen Zeit zu verbinden. Dabei rücken insbesondere koloniale Infrastrukturen, soziale Hierarchien und kulturelle Begegnungen in den Fokus. Die Arbeiten verdeutlichen, wie eng individuelle Biografien mit größeren historischen Zusammenhängen verwoben sein können.

John Hussain Flindt: Künstler zwischen Fotografie, Film und Installation
John Hussain Flindt studierte von 2018 bis 2023 an der Städelschule in Frankfurt am Main sowie von 2013 bis 2016 am Chelsea College of Arts in London. Zu seinen jüngeren Einzelausstellungen gehören „belly to belly“ in der Parfümerie in Frankfurt und „Shadows or Objects“ in der Jean Claude Maier Galerie, ebenfalls in Frankfurt. Seine installativen Arbeiten wurden unter anderem beim Kasseler Dokfest 2022 und im Rahmen des Lichter Art Award 2023 in Frankfurt präsentiert.
Auch international war Flindt bereits mit seinen Arbeiten vertreten, darunter im HAUS KCH in Kuching, im MACRO in Rom, bei Fragile in Berlin und im Goethe-Institut Dublin. Mit „Nothing but the truth“ präsentiert der Kunstverein Friedrichshafen eine Ausstellung, die persönliche Familiengeschichte, historische Recherche und zeitgenössische Kunst miteinander verbindet. Sie lädt dazu ein, die vermeintliche Objektivität von Fotografien und die Zuverlässigkeit menschlicher Erinnerungen kritisch zu hinterfragen.
Mehr unter: www.kunstverein-friedrichshafen.de







