Acrylglas, Licht, Schatten, Farbe – und dazwischen: ein Raum, der vibriert. Das Museum Ritter zeigt bis September 2026 eine umfassende Ausstellung der Schweizer Konstruktivistin Marguerite Hersberger.
Was entsteht zwischen zwei Scheiben Acrylglas? Für Marguerite Hersberger ist diese Frage der Ausgangspunkt eines jahrzehntelangen künstlerischen Forschungsprojekts. Das Museum Ritter in Waldenbuch widmet der Schweizer Künstlerin vom 17. Mai bis 27. September 2026 unter dem Titel „Zwischenräume” eine umfassende Einzelausstellung – mit rund 50 Wandobjekten und einigen Plastiken, die einen breiten Einblick in ihr Schaffen von den späten 1960er-Jahren bis heute bieten.
Hersbergers Werk verbindet die Präzision der konkreten Kunst und des Minimalismus mit einer atmosphärischen Sinnlichkeit, die man in diesen Traditionen nicht immer erwartet. Ein geometrisches Bildvokabular, cleane Werkgestaltung, elementare Formen – und dennoch: pulsierende Farb- und Formkonstellationen, die sich je nach Lichteinfall und Perspektive dynamisch verändern. Das Geheimnis liegt im Zwischenraum.
Polissagen, Lichtpinsel, Pliagen – eine Werksprache in Variationen
Seit den frühen 1970er-Jahren arbeitet Hersberger vor allem mit Acrylglasscheiben, aus denen sie Wandkästen und Bildobjekte mit einsehbarer Vorderseite gestaltet. Jede Werkreihe folgt dabei eigenen Spielregeln: Bei den Polissagen raut sie die Acrylglasfront mit einer eigens entwickelten Schleiftechnik auf und verschleiert so den Blick ins Innere. Die Lichtpinsel arbeiten mit lichtleitenden Glasfasern. In den Pliagen erkundet sie das Prinzip des Faltens. Und in ihren jüngsten Werkreihen malt sie mit farbigen Schatten – durch die Überblendung vorderer und hinterer Bildebene entstehen neue Farbkonfigurationen, die die Grenzen zwischen Zwei- und Dreidimensionalität auflösen.
Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist eine monumentale Wandinstallation im Foyer des Museums – ein eindrucksvoller Auftakt für eine Begegnung mit einem Werk, das man sehen muss, um es wirklich zu verstehen.
Mehr unter: www.museum-ritter.de




