Ein Vortrag im Rahmen der Reihe „Erinnerungsverantwortung und Provenienzforschung” beleuchtet, wie polnische Museen die Besatzungsjahre erlebten – und wie der Widerstand dagegen organisiert wurde.
Kulturgüter als Kriegsbeute: Die Ausgangslage 1939
Mit dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 begann nicht nur eine militärische, sondern auch eine kulturelle Zerstörung. Was mit polnischen Museen, Sammlungen und Kulturgütern in den Jahren der deutschen Besatzung im Generalgouvernement geschah, ist Gegenstand eines Vortrags von Prof. Dr. habil. Piotr Majewski – präsentiert im Rahmen der Reihe „Erinnerungsverantwortung und Provenienzforschung”, moderiert von Dr. Elisabeth Katzy.
Besatzungsaufsicht, Beschlagnahmung, Rechtlosigkeit
Der Vortrag zeichnet nach, wie die deutschen Besatzungsbehörden systematisch Kontrolle über polnische Kulturinstitutionen übernahmen. Rechtliche Regelungen und Organisationsstrukturen wurden gezielt eingesetzt, um Kulturgüter zu erfassen und zu beschlagnahmen. Museen wurden ihrer Autonomie beraubt, ihre Bestände dem Zugriff der Besatzer ausgeliefert.
Polnischer Widerstand: Untergrund und Exil kämpfen um das Kulturerbe
Dem organisierten Raub stand ein ebenso organisierter Widerstand gegenüber. Majewski beleuchtet die Aktivitäten polnischer Untergrund- und Exilbehörden, die trotz der Besatzungsbedingungen systematisch Verluste erfassten und bereits während des Krieges Vorbereitungen für die Rückgabe geraubter Kulturgüter nach Kriegsende trafen – ein beeindruckendes Zeugnis institutioneller Resilienz unter extremen Bedingungen.
Forschungsstand und offene Fragen
Ein wichtiger Bestandteil des Vortrags ist die kritische Bestandsaufnahme des aktuellen Forschungsstands. Majewski formuliert daraus neue Ansätze für die weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung – ein Beitrag, der die Provenienzforschung zu polnischen Kulturgütern aus der NS-Zeit weiter voranbringen soll.
Die Referenten
Prof. Dr. habil. Piotr Majewski lehrt an der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität Warschau und forscht zur Geschichte der Kultur und ihrer Institutionen im 20. Jahrhundert. Zu seinen einschlägigen Veröffentlichungen zählen Arbeiten über Museen in der Zweiten Polnischen Republik, Kulturleben unter Zwangsarbeit sowie die Rettung von Kulturgütern nach dem Warschauer Aufstand. Dr. Elisabeth Katzy leitet die Abteilung Provenienzforschung im Pilecki-Institut Berlin.
Mehr unter: berlin.instytutpileckiego.pl/de




