Kultur im Fokus: Grenzen, Identität und Geschichte im Rheintal
Im März 2026 widmen sich verschiedene Kulturinstitutionen im Vierländereck zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein drängenden Fragen zu Migration, staatlicher Souveränität und wissenschaftlicher Perspektive. Das Programm umfasst Vorträge, Filmvorführungen und musikalische Formate, die historische Parallelen zur Gegenwart ziehen.
Fluchtpunkt Liechtenstein: Historische Analysen (05. März)
Den Auftakt macht das Museum Prestegg in Altstätten. Die Historikerin Dr. Ursina Jud beleuchtet am 5. März um 19:00 Uhr die Rolle Liechtensteins als Fluchtstation während des Nationalsozialismus. Im Göttersaal wird diskutiert, wie der Kleinstaat seine Flüchtlingspolitik zwischen der Anbindung an die Schweiz, wirtschaftlichen Interessen und dem damaligen Antisemitismus navigierte.
Austroschwarz: Identität und Aktivismus in Dornbirn (10. März)
Am 10. März gastiert das 10. Human Vision Filmfestival im Spielboden Dornbirn. Der Regisseur und Musiker Mwita Mataro präsentiert seinen Dokumentarfilm Austroschwarz. Das Werk verwebt eine animierte Fabel mit persönlichen Begegnungen Schwarzer Menschen in Österreich. Vor dem Screening spielt Mataro ein Akustik-Set seines neuen Soloprojekts. Die Moderation übernimmt Franziska Völlner vom Jüdischen Museum Hohenems.
Pandemie und Grenzregime: Ein Rückblick (16. März)
Sechs Jahre nach dem ersten Lockdown reflektiert Cornelia Lüthy, ehemalige Vizedirektorin des Staatssekretariats für Migration, im Museum Prestegg die Grenzschließungen des Jahres 2020. Der Vortrag am 16. März um 19:00 Uhr analysiert die Entscheidungsprozesse hinter der Schließung der Landgrenzen im Rheintal – eine Maßnahme, die in dieser Form seit dem Zweiten Weltkrieg beispiellos war.
Das Asylverfahren im filmischen Reenactment (17. März)
Einen Tag später, am 17. März, zeigt das Museum Prestegg im Diogenes Theater den prämierten Film Die Anhörung. Regisseurin Lisa Gerig lässt darin vier abgewiesene Asylbewerber die entscheidende Anhörungssituation wiederholen. Durch einen Rollentausch werden Machtverhältnisse im bürokratischen Apparat sichtbar gemacht. Die Veranstaltung findet im Rahmen der „Aktionstage gegen Rassismus“ statt.
Gaza in der jüdischen Orientalistik (19. März)
Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe lädt das Jüdische Museum Hohenems am 19. März zu einem wissenschaftlichen Diskurs. Dr. Tobias Mörike vom Weltmuseum Wien referiert über die Darstellung Gazas in der jüdischen Forschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Vortrag untersucht, wie Gelehrte wie Heinrich Graetz oder Leo Aryeh Mayer die Geschichte der Region zwischen biblischer Tradition und moderner Archäologie verorteten.
Mehr unter: jm-hohenems.at






