Ein in 7.000 Einzelteile zerlegter VW Golf oder die ultra-vergrößerte Struktur einer Erdbeere: Hans Hansen hat unser kollektives Bildgedächtnis geprägt, ohne dass viele seinen Namen kannten. Ab dem 17. April 2026 widmet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) dem „Weltklassecuist der Objektfotografie“ eine umfassende Retrospektive.
Hans Hansen (*1940) ist der Architekt der radikalen Klarheit. Seit den 1960er-Jahren revolutionierte er die Produktfotografie für Marken wie Lufthansa, Volkswagen und Erco. Sein Stil: Minimalistisch, sachlich, zeitlos. Das MK&G präsentiert nun rund 220 ikonische Arbeiten aus sechs Jahrzehnten – ermöglicht durch Hansens Entscheidung, sein Lebenswerk dem Museum als Vorlass anzuvertrauen.
Ordnung im Studio, Magie im Licht
In Hansens Studio herrscht eine konstante Ordnung. Hier werden Gegenstände nicht einfach abgelichtet, sondern seziert. Er ordnet, zerlegt und strukturiert Materialien so lange, bis ihr Wesen sichtbar wird.
- Das Auto als Anatomie: Legendär ist seine Aufnahme des zerlegten VW Golf (1988), die Komplexität in vollkommene grafische Struktur übersetzt.
- Glas und Licht: Die Zusammenarbeit mit dem finnischen Designer Tapio Wirkkala weckte Hansens lebenslange Leidenschaft für Glas. In seinen Bildern wirken Vasen wie schmelzende Gletscher – eine Studie über Transparenz und Stofflichkeit.
- Die Kunst des Lebensmittels: Ob für den Stern oder Rewe – Hansen erhob die Avocado oder den Rhabarber durch extreme Makroaufnahmen und präzise Schattenwürfe zu skulpturalen Objekten.
Zwischen Werbekampagne und freier Kunst
Die Ausstellung bricht mit der Trennung von angewandter und freier Fotografie. Für Hansen gab es diesen Unterschied nie: Er widmete einem Lufthansa-Plakat dieselbe handwerkliche Perfektion wie seinen freien Studien verwitterter Plakate in Spanien oder dem Iran.
Ein besonderes Highlight der Schau ist das Kapitel „Analog“ (2024). Hier richtet Hansen die Kamera auf seine eigenen „stummen Assistenten“: Lampen, Kameras und Werkzeuge, die ihn jahrzehntelang begleiteten. Es ist ein Plädoyer für die materielle Qualität in einer zunehmend digitalen Welt.
Ein hanseatisches Lebenswerk
Kultursenator Dr. Carsten Brosda würdigt Hansen als Künstler, der „hanseatische Bescheidenheit mit absoluter Weltklasse“ vereint. Die Schau ist mehr als eine Werkschau; sie ist ein tiefer Einblick in den Arbeitsprozess eines Perfektionisten. Skizzen, Korrespondenzen und sein privates Archiv machen die akribische Vorbereitung hinter jedem „einfachen“ Bild greifbar.
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