Künstliche Kreativität: Wie “Denkmaschinen” die Kunst verändern

Ab dem 26. September 2026 eröffnet das Aargauer Kunsthaus die Ausstellung „Künstliche Kreativität”. Vierzehn Kunstschaffende loten aus, was Kreativität bedeutet, wenn Algorithmen mitdenken, Bilder generieren und Stimmen erzeugen – und wer dann eigentlich der Autor ist.

Aus der Ausstellung Künstliche Kreativität ein bild aus ASCII-Zeichen in Weiß auf einem schwarzen Hintergrund. Nach längerem Hinsehen lässt sich eine Figur erkennen.

Onome Ekeh (*1966), Glittering Witness, 2024 
ASCII-generiertes Bild auf Aluminium (18-teilig), je 60 × 60 cm 
Mit Genehmigung der Künstlerin | © Onome Ekeh 

Mensch und Maschine: Ein neues Zusammenspiel

Seit ChatGPT Ende 2022 öffentlich zugänglich wurde, hat Künstliche Intelligenz den Alltag erreicht. Auch die Kunst reagiert darauf – nicht zum ersten Mal in der Geschichte, aber mit einer neuen Dringlichkeit. Wie frühere Medienumbrüche von der Fotografie bis zur Digitalisierung wirft KI fundamentale Fragen auf: Was bedeutet Autorschaft, wenn Maschinen an Bildern, Texten oder Entscheidungen beteiligt sind? Wer trägt Verantwortung, wenn kreative Arbeiten zunehmend mit Algorithmen entstehen?

Die Ausstellung im Aargauer Kunsthaus widmet sich genau diesen Fragen und zeigt den künstlerischen Prozess mit KI als ständige Aushandlung von Kontrolle und Kontrollverlust.

Drei Leitfragen, vierzehn Positionen

Der Rundgang durch die Schau ist an drei zentralen Fragen orientiert: Wie wird KI Teil künstlerischer Prozesse? Wie verändern KI-generierte Inhalte unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit? Und was verändert sich, wenn KI räumlich, körperlich und sozial erfahrbar wird?

Gezeigt werden Werke von vierzehn internationalen Positionen, darunter Alfatih, Niculin Barandun, Botto, Terence Broad, Onome Ekeh, Emanuel Gollob, Tobias Gutmann, Holly Herndon & Mat Dryhurst, Hochschuh & Donovan, Esther Hunziker, Simone C Niquille, Theresa Reiwer, Monica Studer / Christoph van den Berg und Robi Voigt. In teilweise interaktiven Installationen begegnen die Besucher Bildern, Stimmen und Räumen auf neue Weise.

Werkzeug, Kollaboration oder kritischer Gegenstand?

Die gezeigten Arbeiten machen deutlich, dass Künstler KI sehr unterschiedlich einsetzen: als Werkzeug, als Teil des kreativen Prozesses oder als System, dessen Handlungsspielraum durch Daten, Regeln und Interfaces vorgeprägt ist. Dabei werden die Voraussetzungen künstlerischer Produktion selbst zum Thema: Datensätze, Prompts und Trainingsumgebungen werden ebenso zum Gestaltungsmittel wie zum Gegenstand kritischer Befragung.

Besonders die sogenannten Halluzinationen der KI – plausible, aber unbegründete Fortsetzungen, die entstehen, wenn Systeme ohne ausreichenden Kontext weiterrechnen – werden nicht als bloße Fehler behandelt, sondern als künstlerisch produktive Störungen.

Mitmachen statt nur Zuschauen

Die Ausstellung lädt aktiv zum Experimentieren ein. In einem Vermittlungsraum können Besucher mit zwei Chatbots diskutieren und ihre eigene Haltung zu KI zwischen Utopie und Dystopie schärfen. Bietet KI eine Lösung für die Klimakrise oder treibt sie uns in den Abgrund? Im Test-Labor im Untergeschoss können zudem selbst bildgenerierende KI-Tools ausprobiert werden.

Begleitend erscheint ein Reader mit Texten der Informatikerin Dr. Eva Cetinić und der Philosophin Dr. Julia Langkau. Ein umfangreiches Begleitprogramm aus Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden lädt Schulen und die breite Öffentlichkeit ein, die ethischen, rechtlichen und ästhetischen Implikationen von KI in der kreativen Produktion zu erörtern.

Mehr unter: aargauerkunsthaus.ch

Anzeige

Newsletter