KI im Museum: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim erproben bildbasierte Erschließung für die Breite

1200 Museen in Baden-Württemberg, aber nur wenige mit eigener KI-Infrastruktur – ein Projekt der Reiss-Engelhorn-Museen und der Landestelle für Museen will das ändern: mit einem niedrigschwelligen Tool, das wirklich jeder nutzen kann.

Wenn Museumsfachleute über Künstliche Intelligenz sprechen, reden sie oft aneinander vorbei – zu unterschiedlich sind die Erfahrungen, zu verschieden die genutzten Tools. Leslie P. Zimmermann von den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim hat das erkannt und daraus eine klare Konsequenz gezogen: Bevor man über KI-Kompetenz sprechen kann, braucht es eine gemeinsame Grundlage. Ein gemeinsames Erlebnis. Ein Tool, das alle abholt.

Gemeinsam mit der Landestelle für Museen Baden-Württemberg haben die Reiss-Engelhorn-Museen eine niedrigschwellige Webplattform entwickelt, die genau das ermöglicht. Per Drag-and-Drop können Teilnehmerinnen und Teilnehmer Bilddaten hochladen – und erhalten im Gegenzug strukturierte Metadaten: Schlagworte, Beschreibungen und weitere Angaben, direkt als Excel- oder CSV-Tabelle exportierbar. Keine technischen Vorkenntnisse nötig, kein kompliziertes Setup.

KI wie Strom – eine Grundlagentechnologie

Zimmermann versteht KI als Grundlagentechnologie – vergleichbar mit Strom. Man redet nicht darüber, den Computer einzustecken; man tut es einfach. Noch ist KI neu genug, um ständig Gesprächsthema zu sein. Doch das Ziel muss sein, sie genauso selbstverständlich in den Museumsalltag zu integrieren: von Texten für Pressemitteilungen über Bildbearbeitung bis hin zur systematischen Erschließung großer, heterogener Sammlungsbestände.

Genau dort sehen die Reiss-Engelhorn-Museen das größte Potenzial: in der Objektdatenerschließung. Umfangreiche Fotobestände ohne Metadaten, unübersichtliche Sammlungen, die kaum durchsuchbar sind – KI kann helfen, Struktur in dieses Chaos zu bringen. Als Beispiel nennt Zimmermann Fotobestände, die noch nicht erschlossen sind: KI kann evaluieren, was vorhanden ist – und verhindern, dass bereits fotografierte Objekte erneut aufgenommen werden.

Von Mannheim in die Breite

Das eigentliche Ziel des Projekts geht jedoch über das eigene Haus hinaus. Baden-Württemberg hat rund 1200 Museen – die meisten ohne eigene KI-Stellen und ohne die nötige technische Infrastruktur. Genau hier setzt das Projekt an: als Angebot, das auch kleinen Häusern einen echten Einstieg in die Möglichkeiten von KI ermöglicht. Ergänzt wird es durch ein umfangreiches Schulungsprogramm im Rahmen der Museumsakademie.

Und der nächste Schritt zeichnet sich bereits ab: KI-Agenten, sogenannte Agentic AI, öffnen neue Türen – deren Potenzial für die Museumsarbeit wird gerade erst erkundet.

Mehr unter: mai-tagung.lvr.de

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