Keiner rannte: Andrey Klassen verwandelt den Projektraum des Kunsthaus Hamburg in ein Höhlengleichnis

Platons Philosophie, der Große Brand von 1842 und ein Punkband-Song über Hamburg – eine raumgreifende Installation hinterfragt, was wir als Realität anerkennen und was wir lieber verdrängen.

Ein neuer Projektraum, eine dichte Installation

Im neuen Projektraum des Kunsthaus Hamburg in der Admiralitätstraße zeigt Andrey Klassen eine raumgreifende Installation, die seine zeichnerische Praxis in den dreidimensionalen Raum überführt. Die Schau trägt den Titel „Keiner rannte” – und dieser Titel ist kein Zufall.

Platons Höhle als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt der Arbeit ist Platons Höhlengleichnis – das philosophische Bild vom Menschen, der Schatten für Wirklichkeit hält und den schmerzhaften Weg zur Erkenntnis scheut. Klassen überträgt dieses Gleichnis in eine zeitgenössische Installation, die die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit bewusst ins Schwanken bringt. Was nehmen wir als real wahr? Und welche Erkenntnisse haben wir zu lange ignoriert?

Hamburger Stadtgeschichte trifft Kunstgeschichte

In der Installation verbinden sich zwei düstere Bezugspunkte: der Große Brand von 1842, der weite Teile Hamburgs zerstörte, und „Christus in der Vorhölle” von einem Nachfolger des Hieronymus Bosch. Beide erscheinen in Klassens Werk wie Vorwegnahmen einer Gegenwart, in der Katastrophe, Kontrollglaube und kollektive Verdrängung ineinandergreifen. Das Feuer wird so zur zentralen Metapher – als zerstörerische und zugleich erkenntnisstiftende Kraft.

„Hamburg brennt”: Ein Titel aus dem Punkrock

Der Ausstellungstitel „Keiner rannte” entstammt dem Song „Hamburg brennt” der Band 1000 Robota, die mit provokanten Texten auf gesellschaftspolitische Krisen reagiert. Die Zeile verweist auf kollektive Erstarrung angesichts von Krisen – und gibt der Installation ihre politische Schärfe. Kuratiert wird die Ausstellung von Anna Nowak.

Mehr unter: kunsthaushamburg.de

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