Instabile Politik, Machtmissbrauch und eine kriselnde Wirtschaft: Was wie eine Beschreibung unserer Gegenwart klingt, ist das Paris des 19. Jahrhunderts durch die Brille von Honoré Daumier. Die Albertina in Wien widmet dem Meister der scharfen Satire eine umfassende Schau, die seine Modernität und Vielseitigkeit feiert.
Honoré Daumier (1808–1879) war ein Pionier der Lithografie. Er nutzte diese damals neue Technik im Schnelldruckverfahren, um seine bissige Ironie über den Zeitungsdruck massenhaft zu verbreiten. Sein gewaltiges Œuvre umfasst über 4.000 Lithografien, die von politischer Karikatur bis hin zu humorvollen Alltagsszenen reichen.
Der Maler und Vorläufer des Impressionismus
Weniger bekannt, aber ebenso bedeutend ist Daumier als Maler. Er schaffte es, die Dynamik und den „flotten Pinselstrich“ seiner grafischen Arbeit auf die Ölmalerei zu übertragen. Mit seinen Themen aus dem großstädtischen Alltag von Paris wurde er zu einem wichtigen Vorbild für die Impressionisten, die in ihm den modernen Geist suchten.
Dreidimensionale Satire: Die Skulpturen
Ein besonderes Highlight der Ausstellung sind Daumiers plastische Werke. Er formte Charakterköpfe von Parlamentariern aus Gips und bemalte sie. Diese dienten nicht nur ihm selbst, sondern auch anderen Karikaturisten als Vorlagen, um den hohen Wiedererkennungswert der verspotteten Persönlichkeiten in den Zeitungen sicherzustellen.
Prominente Fans: Paul McCartney und „Daumier’s Law“
Dass Daumiers Kunst bis heute inspiriert, zeigt ein ungewöhnlicher Ausstellungsbeitrag: Ein Animationsfilm von Jeff Dunbar aus dem Jahr 1991, der auf eine Anregung von Paul und Linda McCartney zurückgeht. Unter dem Titel „Daumier’s Law“ führt der Film, zu dem Paul McCartney die Musik schrieb, durch das Leben und Werk des Künstlers.
Ein Spiegel der Gesellschaft
Rund ein Viertel der Exponate stammt aus den eigenen Beständen der Albertina. In Kombination mit Leihgaben der Sammlung Hellweg ergibt sich ein Gesamtbild eines Künstlers, der das Ernste meisterhaft mit Humor verband. Ob im Theater, im Museum oder beim Schwimmunterricht – Daumiers pointierte Darstellungen menschlicher Situationen regen bis heute zum Lachen und Schmunzeln an.
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