Was geschieht, wenn das Subjekt aufhört zu handeln – und der Raum selbst aktiv wird? Die Documenta-Künstlerin Ulrike Grossarth eröffnete in Graz eine Vortragsreihe, die Theologie, Raumerfahrung und Kunst auf ungewohnte Weise zusammendenkt.
Kann Kunst erfahrbar machen, dass das Transzendente im Raum einen Ort hat? Mit dieser ebenso schlichten wie tiefgründigen Frage eröffnet die neue Vortragsreihe „Gott, Raum und Kunst” an der Universität Graz. Veranstaltet vom Fachbereich Fundamentaltheologie (Univ.-Prof.in Martina Bär / René Corvaia Koch) in Kooperation mit KULTUM-Diskurs, beleuchtet sie das spannungsreiche Verhältnis von räumlicher Erfahrung, göttlicher Gegenwart und künstlerischem Potenzial.
Den Auftakt machte am 18. Juni 2026 die Documenta-Künstlerin und emeritierte Professorin für Bildende Kunst in Dresden, Ulrike Grossarth. Ihr Vortrag „Zwischenlandung auf Metaebenen” führte in ein künstlerisches Denken, das sich bewusst in jene Zonen begibt, die mit den gewöhnlichen Mitteln des Denkens und Sprechens nicht zu erschließen sind.
Wenn das Objekt handelt
Im Zentrum von Grossarths Vortrag stand eine radikale Umkehrung: Was passiert, wenn Handlung nicht mehr vom Subjekt ausgeht? Indem sie bewusstseinsmäßige Kontrollmechanismen zurückstellt, schafft sie Raum für das, was sie den „Einfall des Objektiven” nennt – eine Aktivität, die nicht gesteuert, sondern zugelassen wird. Dem klassischen, positivistischen Raumbegriff, in dem ein handelndes Subjekt einem fixen Objekt gegenübersteht, setzt sie die Idee reiner Aufnahmefähigkeit entgegen.
Was dabei entsteht, ist ein Bereich jenseits totalisierender Ordnungen: ein Raum, in dem vielfältige, disparate Erscheinungen und neue Kategorien gleichzeitig existieren können, ohne in ein System gezwungen zu werden. Grossarth zeigt in ihren Projekten, wie diese Erfahrung gesellschaftliche Bewusstseinsprozesse grundlegend verändern kann – und folgt dabei Hinweisen auf unbewusste Bereiche und kulturelle Fehlstellen, die ihr besonders im Zusammenhang mit der jüdischen Tradition begegnet sind.
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