Jahrzehntelang vergessen, nun endlich gewürdigt: Das Werk des Dresdner Künstlers Georg Lührig erlebt im Museum Wiesbaden seine Wiederentdeckung – mit restaurierten Originalen, digitaler Animation und einer rätselhaften Bildsprache zwischen Jugendstil und Symbolismus.
Er lebte fast fünf Jahrzehnte in Dresden, schuf monumentale Wandbilder für öffentliche Gebäude und bewegte sich in einem Kreis bedeutender Künstler seiner Zeit – und dennoch geriet Georg Lührig (1868–1957) weitgehend in Vergessenheit. Eine Ausstellung holt den in Göttingen geborenen, in Dresden verwurzelten Künstler nun ins Licht der Öffentlichkeit zurück.
Zusammen mit Hans Unger, Sascha Schneider, Oskar Zwintscher und Richard Müller gehörte Lührig zu jener Dresdner Künstlergruppe, die Jugendstil und Symbolismus in eine eigenständige, geheimnisvolle Bildsprache übersetzte. In Landschaften, Tierdarstellungen und Porträts experimentierte er mit Kohle, Bleistift, Aquarell und Lithografie – stets auf der Suche nach einem Ausdruck, der über das rein Sichtbare hinausweist.
Monumentale Fresken, verlorene Meisterwerke
Besondere Bedeutung kommt Lührigs monumentalen Fresken und Wandbildern für öffentliche Gebäude zu, die er zwischen 1904 und 1932 schuf. Sie galten als Höhepunkte seines Schaffens – und wurden 1945 zerstört. Was verloren schien, kann nun auf außergewöhnliche Weise wiederentdeckt werden: Ein umfangreicher Nachlass, den Lührigs Erben dem Museum übergaben, bewahrt großformatige Vorzeichnungen und Ölstudien, die einen einzigartigen Blick auf die zerstörten Werke ermöglichen.
Aufwändig restauriert und durch digitale Animationen ergänzt, stehen diese Dokumente im Mittelpunkt der Ausstellung. So lassen sich Lührigs verlorene Monumentalwerke zumindest annähernd wieder erfahrbar machen – ein seltener und bewegender Akt künstlerischer Wiederbelebung.
Wiederentdeckung und Rehabilitierung
Die Ausstellung versteht sich als längst überfällige Rehabilitierung eines Künstlers, der zu Unrecht im Schatten seiner Zeitgenossen stand. Wer sich auf Lührigs rätselhafte Bildwelten einlässt, entdeckt ein Werk von eigenem Gewicht – und einen wichtigen Baustein der Dresdner Kunstgeschichte um 1900.
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