Eine Notkirche von 1964 zieht ins Museumsdorf Cloppenburg

Architekt Hermann Dunkler-Gronwald (von links), Museumsdirektor Dr. Torsten W. Müller und Zimmermeister Joseph Kathmann freuen sich, dass die Holzkirche bald nach Cloppenburg umziehen wird. Sie wird gegenüber der Landdiskothek „Zum Sonnenstein“ Platz finden. Bild: Schrimper/Museumsdorf Cloppenburg

Das zeltförmige Holzgebäude aus Schönebeck bei Bremen ist ein seltenes Zeugnis der Nachkriegszeit – und ergänzt das Freilichtmuseum um ein Kapitel Alltagsgeschichte.

Neuzugang für das Niedersächsische Freilichtmuseum

Das Museumsdorf Cloppenburg – Niedersächsisches Freilichtmuseum bekommt Zuwachs: Eine sogenannte Notkirche aus dem Jahr 1964, ursprünglich im Dorf Schönebeck bei Bremen beheimatet, wird künftig das Ensemble historischer Gebäude vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert ergänzen. Aufgestellt werden soll die Holz-Montagekirche gegenüber der 2018 translozierten Landdiskothek „Zum Sonnenstein” – zwei Gebäude der Nachkriegszeit als Nachbarn.

Schnell gebaut, lange genutzt: Die Geschichte der Kirche

Die Kirche entstand 1964 in einer Phase starken Wachstums der Nordbremer Wohngebiete. Da ein Gotteshaus fehlte, griff man auf das Notkirchenprogramm der Bremischen evangelischen Landeskirche zurück – und auf Entwürfe des Düsseldorfer Architekten Helmut Duncker, der Anfang der 1960er Jahre im Auftrag der Evangelischen Kirche im Rheinland eine schnell auf- und abbaubare Montagekirche aus Holzfertigteilen entwickelt hatte. Auch als „Schwedenkirche” bekannt, war die Bauzeit vor Ort auf wenige Wochen ausgelegt. Ursprünglich auf 40 Jahre Nutzungsdauer angelegt, überdauerte das zeltförmige Gebäude weit länger – bis es 2023 offiziell entwidmet wurde.

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Translozierung und Wiederaufbau

Eine Fachfirma übernimmt den Abbau und Transport der großen Bauteile. Den Wiederaufbau realisieren die Handwerker des Museumsdorfs in Eigenleistung – sie bauen derzeit das Innere der Kirche ab. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Gebäude und Grundstück gehören seit 2023 der Johanniter Seniorenhäuser GmbH, die dem Museum die Kirche samt Inventar zur Verfügung stellt. Die Errichtung im Museumsdorf soll voraussichtlich im Frühjahr 2027 abgeschlossen sein – Besucherinnen und Besucher können den Aufbau vor Ort mitverfolgen.

Ein Gebäude, das Geschichten erzählt

„Die Translozierung der Kirche ist der nächste wichtige Schritt in unserem Vorhaben, auch den Alltag im Niedersachsen der Nachkriegszeit erlebbar zu machen”, sagt Museumsdirektor Dr. Torsten W. Müller. Die Kirche soll Themen wie die Integration der Heimatvertriebenen im ländlichen Niedersachsen, die Rolle der Konfessionen in der jungen Bundesrepublik und den religiösen Alltag der Nachkriegsgesellschaft greifbar machen. Zugleich wird das Gebäude als Veranstaltungsraum für Lesungen und Vorträge dienen.

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