Im Rahmen einer Sonderausstellung zum 50-jährigen Jubiläum von Apple lud das Oldenburger Computer-Museum zu einem tiefen Einblick in die Anfangstage der Firma. Der Experte Peter Offterdinger erklärte, wie aus einer unwahrscheinlichen Begegnung und ein paar preiswerten Mikrochips eines der mächtigsten Unternehmen der Welt entstand.
Die Geschichte von Apple beginnt nicht in einem gläsernen Sitzungssaal, sondern in den Vororten von Los Altos. Dort trafen zwei Charaktere aufeinander, die gegensätzlicher nicht hätten sein können: Steve Wozniak, das technische Genie mit einer Vorliebe für effiziente Schaltungen, und Steve Jobs, der visionäre Geschäftsmann mit dem Instinkt für Vermarktung.
Die Protagonisten: Woz, Jobs und der „vergessene“ Dritte
Zusammengebracht wurden die beiden durch Bill Fernandez, einen Schulfreund von Jobs und Nachbarn von Wozniak. Während Wozniak bereits mit sechs Jahren Radios baute und später bei HP Taschenrechner entwickelte, arbeitete Jobs bei Atari. Doch es gab noch einen Dritten im Bunde: Ronald Wayne. Er brachte die nötige Reife und bürokratische Erfahrung in die Firmengründung ein und entwarf sogar das erste Logo sowie die Gründungsverträge. Aus Angst vor dem finanziellen Risiko verkaufte er seine 10-prozentigen Anteile jedoch nur wenige Tage später für 800 Dollar – eine Entscheidung, die ihn heute zum Multimilliardär gemacht hätte.
Technischer Durchbruch: Der 25-Dollar-Prozessor
Der Apple 1 wäre ohne eine Revolution auf dem Halbleitermarkt nicht denkbar gewesen. In der Mitte der 70er Jahre kosteten Prozessoren wie der Intel 8080 oder der Motorola 6800 mehrere hundert Dollar – unerschwinglich für Hobbyisten. Erst als ehemalige Motorola-Ingenieure bei MOS Technology den 6502-Prozessor für lediglich 25 Dollar auf den Markt brachten, griff Wozniak zu.
Er kombinierte diesen Chip mit seinem zuvor entwickelten Video-Terminal, das die Ausgabe auf einem gewöhnlichen Fernseher ermöglichte. Das war das Alleinstellungsmerkmal: Während andere Computer dieser Zeit (wie der Altair 8800) nur über Schalter und Lämpchen bedient wurden, bot der Apple 1 bereits eine Tastatur-Schnittstelle und eine Videoausgabe.
Der erste Auftrag: Der Byte Shop
Der entscheidende Funke für die Firmengründung war ein Treffen im legendären Homebrew Computer Club. Paul Terrell, Besitzer des „Byte Shop“, war von Wozniaks Prototypen beeindruckt. Jobs handelte einen Deal über 50 Einheiten aus – zu einem Preis von 500 Dollar pro Stück.
Doch Terrell erlebte eine Überraschung: Er hatte voll ausgestattete Computer erwartet, Jobs lieferte jedoch lediglich die nackten, bestückten Platinen ohne Gehäuse, Netzteil oder Tastatur. Mit seinem Verhandlungsgeschick überzeugte Jobs den Händler jedoch, dass dieser durch den Verkauf des nötigen Zubehörs noch mehr Gewinn erzielen könne.
Kuriositäten und Fakten zum Apple 1
- Der Teufelspreis: Der offizielle Verkaufspreis von 666,66 Dollar war kein okkultes Statement. Wozniak liebte einfach Wiederholungszahlen.
- Kein Power-on Reset: Der Rechner war so minimalistisch aufgebaut, dass er beim Einschalten erst einmal „Müll“ auf dem Bildschirm anzeigte. Man musste manuell den Bildschirm löschen und den Reset-Knopf drücken, um starten zu können.
- Seltenheitswert: Insgesamt wurden nur etwa 200 Exemplare des Apple 1 produziert. Heute existieren weltweit noch etwa 70 bis 90 Original-Platinen.
- Rekordpreise: Während ein funktionsfähiger Nachbau heute für etwa 2.500 Euro zu haben ist, erzielen Originale bei Auktionen bis zu 2,7 Millionen Dollar.
Das Erbe
Obwohl der Apple 1 technisch viele Macken hatte und Jobs ihn später sogar aktiv vom Markt nehmen wollte, um den Nachfolger Apple II zu pushen, legte er das Fundament. Er bewies, dass ein Computer klein, erschwinglich und – dank der Videoausgabe – für den Menschen begreifbar sein konnte.
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