Der Parthenon ab Herbst in neuem Licht: Ausstellung zum Ostgiebel zeigt herausragende Forschungsergebnisse

Zeichnung der linken Seite des Ostgiebels des Parthenon mit Figuren und Fragmenten.

Jaques Carrey (1649-1726) | Zeichnung des Ostgiebels (linke Seite)
Temple de Minerve, à Athènes. 1674| Paris, Bibliothèque nationale de France

Das Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt präsentiert ab dem 18. November 2026 eine Ausstellung zu einem der wichtigsten Bauwerke der Antike. Forscher um Vinzenz Brinkmann haben erstmals einen fundierten Vorschlag zur vollständigen Rekonstruktion des Ostgiebels des Parthenon entwickelt – mit Hilfe von 3D-Scanning und einem entscheidenden Hinweis aus der römischen Antike.

Ein Monument voller Lücken

Die Figuren und Fragmente des Ostgiebels in einer Computer-Visualisierung. Menschenähnliche Figuren mit Pferden und Tier-Mensch-Wesen.

Rekonstruktion der Figuren im Ostgiebel des Parthenon | Vinzenz Brinkmann und Ulrike Koch-Brinkmann, 2026
Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main

Der Parthenon auf der Athener Akropolis gilt als bedeutendstes Bauwerk der griechischen Antike. Sein Ostgiebel zeigte ursprünglich die Geburt der Göttin Athena aus dem Haupt des Zeus – ein gewaltiges Bildprogramm aus 39 Figuren. Doch im Laufe der Christianisierung wurden große Teile der Skulpturen zerstört. Obwohl alle bekannten Fragmente bereits 1910 veröffentlicht wurden, blieb bis heute unklar, wie die Figuren ursprünglich genau angeordnet waren. Das Giebelfeld galt als eines der größten ungelösten Rätsel der Archäologie.

Der Durchbruch: Römische Sarkophage und 3D-Scanner

Nun gelang dem Team um Vinzenz Brinkmann, Leiter der Antikensammlung des Liebieghauses, ein entscheidender Fortschritt. Mithilfe archäologischer, kunsthistorischer und technologischer Verfahren konnten zahlreiche Fragmente einzelnen Figuren neu zugeordnet werden. Entscheidende Hinweise lieferten Darstellungen auf Reliefs römischer Sarkophage, die die ursprüngliche Komposition erahnen lassen. Mit modernem 3D-Scanning wurden die Fragmente digital zusammengefügt und schließlich ein maßstabsgetreues Modell der gesamten Figurengruppe rekonstruiert.

Von Athen nach Frankfurt: Hochkarätige Leihgaben

Die Ausstellung „Bühne frei für Athena: Das Parthenon-Puzzle” zeigt diese spektakulären Ergebnisse erstmals der Öffentlichkeit. Dafür vereint das Liebieghaus Exponate aus eigenem Bestand mit herausragenden Leihgaben aus dem British Museum in London, dem Akropolismuseum in Athen, den Vatikanischen Museen, dem Louvre in Paris und dem Museo Archeologico Nazionale di Venezia. Eine eigens entwickelte Animation lässt die Figuren des Ostgiebels am Ende der Schau regelrecht zum Leben erwachen.

„Wissenschaftliche Präzision trifft museale Vermittlung”

„Mit dieser Ausstellung machen wir sichtbar, wie lebendig und erkenntnisreich archäologische Forschung heute sein kann”, sagt Philipp Demandt, Direktor der Liebieghaus Skulpturensammlung. Die neuen Ergebnisse veränderten den Blick auf eines der berühmtesten Monumente der Antike grundlegend.

Vinzenz Brinkmann ergänzt: „Die Skulpturen des Parthenon gehören zu den ikonischsten Werken der Antike und zugleich zu ihren größten ungelösten Rätseln. Unsere Forschung erlaubt es erstmals, zentrale Fragmente neu zusammenzudenken und die monumentale Inszenierung des Ostgiebels wissenschaftlich fundiert zu rekonstruieren.”

Mehr unter: www.liebieghaus.de

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