Mit einer umfassenden Einzelausstellung präsentiert das Kunsthaus Bregenz (KUB) bis zum 4. Oktober 2026 neue und zentrale Arbeiten des französischen Künstlers Cyprien Gaillard. Im Gespräch erläutert KUB-Direktor Thomas D. Trummer die vielschichtige Schau, die urbane Räume, gesellschaftliche Machtstrukturen und die Spuren menschlicher Eingriffe in den Mittelpunkt rückt.
Bereits an der Außenfassade setzt Gaillard ein markantes Zeichen: Eine orangefarbene Baurutsche, wie sie beim Abriss von Gebäuden eingesetzt wird, wird zum Sinnbild für Entsorgung, Zerstörung und den permanenten Wandel der gebauten Umwelt. Im Inneren empfängt die Besucherinnen und Besucher mit „Visitant“ eine monumentale, aufblasbare Skulptur, die sich zu eigens programmierter Musik bewegt. Die aus Festivals und Werbeflächen bekannte Figur wird im musealen Raum zum irritierenden Fremdkörper und stellt traditionelle Erwartungen an den Ausstellungsbesuch infrage.
Ein zentrales Thema der Ausstellung sind sogenannte „Deterrents“ – Maßnahmen, mit denen öffentliche Räume gesteuert und kontrolliert werden. Gaillard zeigt, wie Architektur, Licht oder sogar klassische Musik gezielt eingesetzt werden, um bestimmte Personengruppen fernzuhalten. Seine Arbeiten machen sichtbar, wie Ausgrenzung oft unauffällig und dennoch wirkungsvoll in den Alltag eingeschrieben ist.
In den oberen Ausstellungsebenen verbindet der Künstler Fotografie, Skulptur und Installation. Fragile Polaroid-Collagen dokumentieren urbane Landschaften und vom Menschen geprägte Orte, während Arbeiten mit Null-Euro-Banknoten, Flöten und Bestandteilen zerstörter Geldautomaten Fragen nach Wert, Konsum, Verführung und gesellschaftlichen Machtverhältnissen aufwerfen.
Den Abschluss bildet die Neuproduktion „DETERRENT“, die gemeinsam vom Kunsthaus Bregenz und der Fondazione Prada realisiert wurde. Der Film führt nach Los Angeles und in Städte Nordeuropas und untersucht die Mechanismen der Kontrolle im öffentlichen Raum – von übermalten Graffiti über Verbotszeichen bis hin zu klassischer Musik als Mittel der Abschreckung. Gaillard macht deutlich, wie sich Auslöschung, Überwachung und Verdrängung in das Stadtbild einschreiben und dabei neue visuelle Spuren hinterlassen.
Cyprien Gaillard zählt zu den international bedeutendsten Gegenwartskünstlern seiner Generation. Seine Arbeiten waren unter anderem im Haus der Kunst München, der Fondation Beyeler, dem Palais de Tokyo, der Tate Modern und dem MoMA PS1 zu sehen. Die Ausstellung im Kunsthaus Bregenz bietet einen umfassenden Einblick in sein aktuelles Schaffen und lädt dazu ein, den öffentlichen Raum neu zu betrachten.
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