Zum 150. Geburtstag von August Sander präsentiert die Photographische Sammlung der Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn vom 11. September 2026 bis 24. Januar 2027 eine umfassende Ausstellung. Fast alle Exponate stammen aus dem hauseigenen August Sander Archiv – dem weltweit größten Bestand des Fotografen – und eröffnen neue Blicke auf sein vielseitiges Werk.
Köln, die Lichtbildwerkstatt und vergessene Vorträge
Über drei Jahrzehnte lebte und arbeitete August Sander in Köln. Die Stadt mit ihrer historischen Bausubstanz, dem rheinischen Karneval und der Gruppe progressiver Künstler prägte sein Schaffen nachhaltig. Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist die Bildgruppe „Lichtbildwerkstatt August Sander, Köln-Lindenthal”, die zwischen 1930 und 1942/43 entstand und erstmals in diesem Umfang zu sehen ist.
Erstmals werden auch sechs Radiovorträge präsentiert, die Sander 1931 im Auftrag des WDR verfasste und im Rundfunk hielt. Im Ausstellungsraum können Besucher*innen diese Texte in einer aktuell eingesprochenen Version anhören. Eine begleitende Publikation (Schirmer/Mosel) führt die Vorträge und die Lichtbildwerkstatt zusammen – ein Projekt, das auf eigenen Plänen Sanders aus dem Jahr 1952 basiert.
Der Blick auf den Menschen – und seine Hände
Neben Porträts aus seinem zentralen Kultur- und Gesellschaftswerk Menschen des 20. Jahrhunderts zeigt die Schau weitere wichtige Konvolute: Studien, Der Mensch und Mensch und Maschine. Dabei rückt vor allem die menschliche Hand in den Fokus. Wie in einem individuellen Porträt erzählt sie von unterschiedlichen Lebenszusammenhängen und steht als arbeitendes „Werkzeug” am Beginn maschineller Entwicklung.
Auch Sanders enger Austausch mit der Kölner Gruppe progressiver Künstler wird beleuchtet. Er fertigte Reproduktionen ihrer Werke an und besaß eigene Arbeiten von Künstlern wie Franz Wilhelm Seiwert und Heinrich Hoerle, die er in sein Wohnumfeld integrierte.
Vom Westerwald nach Sardinien: Landschaften als Gesichter der Zeit
Sanders Werk umfasst weit mehr als Porträts. Geboren im westfälischen Herdorf, dokumentierte er zeitlebens seine Heimatregion, den Rhein, das Siebengebirge und die Eifel. Sein landschaftliches Werk zeichnet sich durch ein besonderes Augenmerk auf das Zusammenspiel von Natur, menschlicher Besiedlung und den Spuren menschlicher Tätigkeit aus. Für Sander trug die Landschaft ein Gesicht, in das sich die Zeit einschrieb.
Eine biografische Besonderheit ist Sanders einzige Auslandsreise 1927 nach Sardinien. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Ludwig Mathar entstanden über 300 Negative, die ein seltenes visuelles Zeugnis der damals noch kaum besuchten Insel bieten. Sander war der erste professionelle Fotograf, der Sardinien in einer so stringenten und breit angelegten Dokumentation würdigte.
Gestern und heute: Sander im Dialog mit Gerhard Fleischer
Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Monitorpräsentation, die August Sanders Landschaftsaufnahmen von Rhein und Siebengebirge denen des Fotografen Gerhard Fleischer (*1952) gegenüberstellt. Seit 2014 sucht Fleischer die von Sander festgehaltenen Ansichten auf und nähert sich dabei dessen Perspektive und Blickwinkel an. So wird sichtbar, was sich in fast 100 Jahren verändert hat – und was überraschend konstant geblieben ist.
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