Ab September 2026 eröffnet C/O Berlin ein vielfältiges Herbstprogramm mit vier Positionen, die das Spektrum der zeitgenössischen Fotografie und künstlerischen Intervention neu ausloten. Von einer großen Retrospektive der US-amerikanischen Künstlerin Carrie Mae Weems über zypriotische Landschaftsfotografie und atomare Spurensuche bis hin zu einer typografischen Intervention im Café – das Haus am Amerika Haus zeigt, wie eng Kunst, Geschichte und Gesellschaft verknüpft sind.
Carrie Mae Weems: Geschichte, Identität und der berühmte Küchentisch
Mit The Heart of the Matter präsentiert C/O Berlin vom 12. September 2026 bis 3. Februar 2027 eine umfassende Retrospektive der einflussreichsten US-amerikanischen Künstlerin Carrie Mae Weems. Über 100 Fotografien und Videos zeigen, wie sie seit mehr als vier Jahrzehnten mit Macht, Erinnerung und Sichtbarkeit arbeitet. Ihr Werk hinterfragt, wer in der Geschichte gesehen wird und wer unsichtbar bleibt.
Zu den Höhepunkten gehört die ikonische Kitchen Table Series (1990), in der Weems sich selbst am Küchentisch in verschiedenen Rollen inszeniert und Fragen von Liebe, Partnerschaft und Geschlechterrollen verhandelt. Auch frühe Arbeiten wie Family Pictures and Stories (1978–1984), in denen Familienfotos mit autobiografischen Texten verbunden werden, sowie die neue Serie Preach (2024) über Schwarze Glaubensgemeinschaften sind zu sehen. Die Videoinstallation Leave Now! (2022) erzählt zudem die Geschichte ihres Großvaters, eines Landarbeiters im Süden der USA. Die Schau ist ein Projekt der Galleria d’Italia in Zusammenarbeit mit Aperture und wird von Boaz Levin für C/O Berlin adaptiert.
Stelios Kallinikou: Wo Natur auf Militär trifft
Vom 12. September 2026 bis 20. Januar 2027 zeigt C/O Berlin mit Cliffs Among Dreams Arbeiten des zypriotischen Künstlers Stelios Kallinikou. Seit über einem Jahrzehnt fotografiert und filmt er die Halbinsel Akrotiri im Süden Zyperns – ein Gebiet, in dem ökologische Vielfalt und militärische Nutzung aufeinandertreffen. Akrotiri ist eine britische Militärbasis mit einem aktiven Luftwaffenstützpunkt der Royal Air Force, beherbergt aber auch den größten Salzsee der Insel, ein wichtiges Feuchtgebiet für Zugvögel.
Kallinikous Bilder zeigen Flamingos vor dem Hintergrund von Radar-Anlagen und führen vom Hafen von Limassol über den Salzsee bis zu den Klippen von Aetokremnos, einer bedeutenden archäologischen Fundstätte. In Fotografien, Filmen und skulpturalen Assemblagen verbindet er geopolitische Fragen mit erdgeschichtlichen Zeiträumen und Themen wie Migration, Zugehörigkeit und Aussterben.
Susanne Kriemann: Die unsichtbaren Spuren der Atomzeit
Die Berliner Künstlerin Susanne Kriemann widmet sich in Im Fieber der Sonne flattern Schmetterlinge im Bauch ebenfalls vom 12. September 2026 bis 20. Januar 2027 den verborgenen Hinterlassenschaften des Atom- und Industriezeitalters. Ausgangspunkt ist der 40. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe, doch der Fokus liegt auf ehemaligen Uranabbaugebieten in Sachsen, Thüringen und im französischen Limousin.
Mit der Technik der Autoradiografie lässt Kriemann radioaktive Stoffe direkt auf fotografischen Film wirken. Für ihre Werkreihe Pechblende (Fever) kombiniert sie uranhaltige Erze mit getrockneten Pflanzen aus sanierten Gebieten. Auch ihr eigenes Atelier wird zum Ausstellungsort: Unter den alten Holzdielen fand sie Schlacke aus der Schwerindustrie, die sie zu Pigment verarbeitet und in selbstgeschöpftes Papier einarbeitet. Die Schau fragt, wie sich unsichtbare, aber wirksame Energien wahrnehmen lassen.
Ayşe Erkmen: Ein Satz, der alle Buchstaben verschluckt
Als elfte Artistic Intervention im Café C/O Berlin x Bark Berlin präsentiert das Haus ab dem 12. September 2026 die Installation Typed Types der in Istanbul geborenen Künstlerin Ayşe Erkmen. Eröffnet wird sie am 11. September 2026 im Rahmen der Berlin Art Week.
Ausgangspunkt ist das bekannte Pangramm „The quick brown fox jumps over the lazy dog”, das alle Buchstaben des Alphabets enthält und oft zur Demonstration von Schriftarten genutzt wird. Erkmen bringt den Satz als Vinylschrift auf die Café-Wände – in einer selbst entwickelten Typografie aus Schreibmaschinenzeichen. Die Buchstabenfolge wird immer kleiner, bis der Hund schließlich zu verschwinden scheint. Das Werk spielt mit Sprache, Code und Bild und verweist auf das 200-jährige Jubiläum der Fotografie.
Mehr unter: www.co-berlin.org






