300 Jahre altes Geheimnis gelüftet
Was als aufwendige Restaurierung begann, wurde zu einer kleinen wissenschaftlichen Sensation: Im Herzog Anton Ulrich-Museum (HAUM) in Braunschweig brachte die Bearbeitung eines barocken Sammlungsschranks nicht nur ein spektakuläres Schriftstück ans Licht, sondern auch neue Erkenntnisse zur höfischen Möbelkunst des frühen 18. Jahrhunderts.
Ein Prunkstück aus dem „Grauen Hof“
Zwischen 1725 und 1730 ließ Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel zwölf prächtige Vitrinenschränke für sein Residenzschloss anfertigen. Zehn davon dienten der Präsentation kostbarster Preziosen und waren mit verspiegelten Rückwänden und Glastüren für maximale Wirkung konzipiert. Vier dieser Möbel sind heute im HAUM erhalten.
Historischer Glanz rekonstruiert
Im Rahmen der jüngsten Restaurierung gelang erstmals der Nachweis des originalen barocken Glanzlacks, der dem Möbelstück seine ursprüngliche Tiefe und Farbigkeit zurückgibt. Überraschend war zudem der Nachweis von Olivenholz – ein Material, das bisher in Braunschweiger Möbeln nicht dokumentiert war.
Die „Künstlerbotschaft“ von 1729
Für Aufsehen sorgte jedoch ein verborgener Fund: In einem Hohlraum entdeckte das Restaurierungsteam ein gerolltes Schriftstück aus den Jahren 1729/30. Es nennt den Braunschweiger Kunsttischler Johann Ulrich Staats als Schöpfer der Möbel – ein Name, der bislang nur aus alten Baurechnungen bekannt war. Damit ist es gelungen, sein Werk eindeutig mit den noch erhaltenen Schränken in Verbindung zu bringen.
„Es ist fast so, als hätte uns Meister Johann Ulrich Staats die Hand gereicht“, sagt Diplom-Restauratorin Ursel Gaßner über den seltenen Glücksfund.
Blick nach vorn: Jubiläumsausstellung 2029
Bis zum 275-jährigen Jubiläum des Museums sollen alle vier erhaltenen Schränke erforscht und restauriert werden. Die Ergebnisse werden Teil einer großen Ausstellung über die höfische Kunst- und Repräsentationskultur des 18. Jahrhunderts.
Museumsdirektor Dr. Thomas Richter betont: „Dieser Fund zeigt, wie wichtig wissenschaftliche Museumsarbeit ist. Am Ende profitieren davon vor allem unsere Besucherinnen und Besucher.“
Veranstaltungshinweis
Am 21. September 2025, 11:30 Uhr, führt Restauratorin Ursel Gaßner erstmals durch die Präsentation des restaurierten Vitrinenschranks im HAUM.
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