Die IBM 82 Sortiermaschine im Computermuseum der Stuttgarter Informatik

Noch lange nach dem Ende der eigentlichen Lochkartenmaschinenära mit Kartendopplern, Kartenmischern, Übersetzern und Tabelliermaschinen blieb eine Maschine aus dieser Zeit in vielen Rechenzentren im Einsatz: die Sortiermaschine. An eine solche Maschine erinnert Klemens Krause in diesem Video. Während des Studiums an der Universität Hohenheim lernte er dort 1977 die Programmierung auf einer ICL 1900 mit 24 Bit Wortbreite und seinerzeit sagenhaften 96.000 Worten Hauptspeicher. Als Betriebssysteme kamen GEORGE III und MaxiMOP zum Einsatz.

Im Locherraum für die Studenten standen damals einige IBM 26 und IBM 29 Lochkartenstanzer. Daneben befand sich eine weitere Maschine, eine IBM 82 Sortiermaschine, die ebenfalls zur Selbstbedienung genutzt werden konnte.

Wenn der Lochkartenstapel durcheinandergeriet

Die Sortiermaschine erfüllte eine Aufgabe, die in der Lochkartenära von großer Bedeutung war: Sie brachte durcheinander geratene Kartenstapel wieder in die richtige Reihenfolge. Wertvolle Programme oder Datensätze auf Lochkarten konnten beispielsweise in den Spalten 73 bis 80 fortlaufend nummeriert werden. Fiel ein Kartenstapel auf den Boden oder gerieten die Karten aus einem anderen Grund durcheinander, ließ sich die ursprüngliche Reihenfolge mithilfe der Sortiermaschine wiederherstellen.

Auch auf den Rechnern gab es Hilfsprogramme, die eine solche Sortierung automatisch durchführen konnten. Trotzdem blieb die physische Sortiermaschine ein praktisches und unmittelbar verfügbares Werkzeug im Rechenzentrum.

Ein Loch lässt sich nicht wieder löschen

Eine Besonderheit der Lochkarten war zugleich eines ihrer größten Probleme: Ein einmal gestanztes Loch konnte nicht einfach wieder entfernt werden. Sollte ein Programm oder Datensatz deshalb um- oder neu nummeriert werden, musste der komplette Kartenstapel erneut gestanzt werden. Besonders aufwendig wurde es, wenn die Karten anschließend wieder lesbar beschriftet werden sollten.

Die Schnellstanzer, die direkt an den Rechner angeschlossen waren, brachten nämlich keinen Klartext auf die Karten. Nach dem Stanzen musste der Kartensatz deshalb noch durch einen sogenannten Übersetzer laufen – eine weitere spezielle Maschine, die die Lochungen auslas und den entsprechenden Klartext am oberen Rand der Karten aufdruckte.

Eine IBM 82 als Erbstück einer älteren Rechnergeneration

Die Sortiermaschine im Computermuseum der Stuttgarter Informatik stammte aus dem Jahr 1964. Sie kam zusammen mit der IBM-1130-Anlage, Baujahr 1967, von der Fachhochschule Reutlingen, wo diese Anlage vermutlich bis 1976 in Betrieb gewesen war. Die Sortiermaschine dürfte somit ein Überbleibsel der Vorgängeranlage gewesen sein. Möglicherweise gehörte sie ursprünglich zu einer IBM 1401 oder einer IBM 1620.

Damit erzählt die Maschine nicht nur ein Stück Technikgeschichte, sondern auch die Geschichte einer Übergangszeit: Während moderne Rechner wie die ICL 1900 oder IBM 1130 bereits mit elektronischer Datenverarbeitung arbeiteten, blieben die mechanischen Hilfsgeräte der Lochkartenära noch unverzichtbare Werkzeuge im täglichen Betrieb.

Technikgeschichte zum Anfassen

Die Sortiermaschine steht beispielhaft für eine Zeit, in der Programmierung noch eng mit physischen Datenträgern verbunden war. Ein Programm war kein unsichtbarer Datenbestand auf einer Festplatte oder SSD, sondern ein sorgfältig geordneter Stapel bedruckter und gelochter Karten. Ein heruntergefallener Kartenstapel konnte deshalb mehr bedeuten als ein kleines Missgeschick. Ohne Sortiermaschine, Nummerierung und die richtige Reihenfolge war ein Programm unter Umständen nicht mehr verwendbar. Maschinen wie die IBM 82 waren damit ein unscheinbarer, aber wichtiger Bestandteil des damaligen Rechenzentrumsalltags.

Präsentation: Klemens Krause
Technik: Klemens Krause
Kamera und Schnitt: Katja Stefanie Engstler
Musik: Ralph Braun

Mehr unter: www.f05.uni-stuttgart.de/informatik/fachbereich/computermuseum/

Anzeige

Newsletter