Séries uniformes – Die Medallie im Zeitalter ihrer mechanischen Reproduzierbarkeit

Die „Séries uniformes“ Ludwigs XIV. machten die Medaille zu einem beispiellosen Instrument royaler Repräsentation. Rund 300 einzelne Kapitel wurden entworfen, um eine gesamte Regierungszeit als eine einzige, monumentale Serie zu würdigen. Prof. Mark Hengerer, von der LMU München erklärt die Hintergründe.

Die Idee hinter der Serie

Medaillen zu prägen war im Europa des 17. Jahrhunderts keine Seltenheit. Könige, Kaiser und Fürsten ließen sich in Metall verewigen – in verschiedenen Formaten, verschiedenen Legierungen, zu verschiedenen Anlässen. Doch Ludwig XIV. dachte größer. Die Idee hinter der sogenannten „Série uniforme” war es, den gesamten Repräsentationsapparat des Absolutismus in ein einziges, einheitliches Serienformat zu gießen: rund 300 Medaillen, alle im gleichen Format, die zusammen die gesamte Regentschaft des Sonnenkönigs rühmen. Ein Vorhaben dieser Art hatte es bis dahin nicht gegeben – und seither auch nicht mehr.

Jede Medaille ein Kapitel, die Serie ein Epos

Das Prinzip der Serie folgte einer klaren Dramaturgie: Jede einzelne Medaille widmete sich einem Großereignis der Herrschaft Ludwigs XIV. – einem militärischen Sieg, einer diplomatischen Leistung, einem Bauwerk. Eines der eindrücklichsten Beispiele ist die Überquerung des Rheins im Jahr 1672. Was in der Antike als militärische Heldentat galt – Julius Caesar überquerte den Rhein – wurde hier für Ludwig XIV. neu inszeniert und in Bronze gegossen. So entstand eine Gesamtkomposition aus lauter Großtaten, die in ihrer Summe das Bild eines unvergleichlichen Herrschers zeichnen sollten.

Vorbild für Jahrhunderte – bis heute

Die Wirkung der „Série uniforme” reichte weit über das 17. Jahrhundert hinaus. Herrscher wie Napoleon orientierten sich an dem Konzept der repräsentativen Gesamtserie. Und selbst die modernen Sondermotive der europäischen Zwei-Euro-Münzen lassen sich, so die These der Ausstellung, gedanklich auf diese Idee zurückführen: die Münze als politisches Bild, die Serie als kollektives Gedächtnis.

Bücher aus Medaillen: Das Daumenkino des Barock

Das vielleicht verblüffendste Detail: Zusätzlich zu den Einzelmedaillen wurden Bücher geprägt, die die Motive der Serie in komprimierter Form zusammenführten – funktionierend nach dem Prinzip des Daumenkinos. Wer die Seiten durchblätterte, erlebte die Herrschaft Ludwigs XIV. in bewegten Bildern aus Metall. Ein frühes Beispiel für das, was man heute serielle Narration nennen würde.

Mehr unter: www.staatliche-muenzsammlung.de/

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