Ein 500 Jahre altes Baumwolltuch verbindet Berlin und Oaxaca – das Ethnologische Museum im Humboldt Forum setzt auf gleichberechtigte Zusammenarbeit mit den Herkunftsgemeinschaften eines seiner bedeutendsten Objekte.
Ein Schlüsseldokument der mexikanischen Geschichte
Der Lienzo von Coixtlahuaca II – auch Lienzo Seler II genannt – ist kein gewöhnliches Ausstellungsstück. Das rund 16 Quadratmeter große, bemalte Baumwolltuch aus dem 16. Jahrhundert erzählt auf einzigartige Weise die Geschichte des Tals von Coixtlahuaca im heutigen Bundesstaat Oaxaca, von dort ansässigen Indigenen Gemeinden sowie angrenzender Gebiete – und das über einen Zeitraum vom 11. bis ins 16. Jahrhundert. Für die heute im Tal lebenden indigenen Gemeinschaften ist das Objekt von unschätzbarem ideellen Wert: Es ist Teil ihrer kollektiven Erinnerung und Identität.
Von Oaxaca nach Berlin – und zurück
Heute befindet sich der Lienzo als herausragendes Stück der Mesoamerika-Sammlung im Ethnologischen Museum des Humboldt Forums in Berlin. Doch das Museum versteht das Objekt nicht als isoliertes Ausstellungsstück, sondern als lebendiges Bindeglied zu den Menschen, aus deren Welt es stammt. In enger Zusammenarbeit mit dem Gemeindemuseum von Coixtlahuaca sowie den Orten San Gerónimo Otla, Santa María Nativitas, San Miguel Tequixtepec und San Miguel Tulancingo entstand das sogenannte Lienzo-Projekt – ein Modell für partnerschaftliche Museumsarbeit jenseits des klassischen Sammlungsdenkens.
Workshop in Berlin: Konservierung als gemeinsames Projekt
Im April 2024 reisten Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Gemeinschaften nach Berlin, um gemeinsam mit mexikanischen Textilrestauratorinnen und ihren Berliner Kolleginnen Fragen der Konservierung des Lienzo zu diskutieren. Der einwöchige CoMuse-Workshop brachte lokales Wissen, kulturelle Perspektiven und restauratorisches Fachwissen zusammen – auf Augenhöhe. Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Workshops geteilt und dokumentiert.
Ein Filmzeugnis partnerschaftlicher Museumsarbeit
Ein begleitender Film hält diesen bemerkenswerten Prozess fest und macht sichtbar, wie zeitgemäße Kulturarbeit aussehen kann: nicht als einseitige Verwaltung von Objekten aus fernen Kulturen, sondern als Dialog mit den Menschen, denen diese Objekte gehören – im tiefsten Sinne des Wortes.
Mehr unter: comuse.org






