Vatersuche, Schwangerschaft, Identität – das Kunstforum der TU Darmstadt zeigte zwei zentrale Werkserien einer der bedeutendsten feministischen Künstlerinnen Deutschlands.
Eine Pionierin feministischer Kunst
Annegret Soltau zählt zu den prägenden Stimmen der feministischen Kunst im deutschsprachigen Raum. Seit den 1970er Jahren kreist ihr Werk um Fragen der persönlichen und sozialen Identität – stets aus der Perspektive einer Frau, die ihre eigene Rolle innerhalb von Familie und Gesellschaft kritisch befragt und künstlerisch verarbeitet. Anlässlich ihres 80. Geburtstages widmete das Kunstforum der TU Darmstadt ihr eine besondere Ausstellung: »Annegret Soltau VATERSUCHE«.
Die Suche nach dem unbekannten Vater
Im Mittelpunkt der Schau stand die Werkserie »Vatersuche«, an der Soltau seit 1988 bis heute arbeitet. Die Serie dokumentiert ihre lebenslange Suche nach dem Vater, den sie nie kennengelernt hat – ein zutiefst persönliches wie auch universelles Thema, das Fragen von Herkunft, Verlust und Selbstverortung aufwirft. Erstmals wurde die Arbeit in ihrer vollständigen Form gezeigt und damit in ihrer ganzen zeitlichen Dimension erfahrbar gemacht.
Erstmals zu sehen: Die „Tagesdiagramme” von 1977
Als Gegenüberstellung präsentierte die Ausstellung erstmals öffentlich die Serie »Tagesdiagramme« – 58 kleinformatige Einzelblätter auf einfachem DIN-A4-Papier, die Soltau 1977 während ihrer ersten Schwangerschaft wie ein visuelles Tagebuch anlegte. Mit Filzstiften, Aquarellfarbe und Schreibmaschine hielt sie darin ihre Gefühlszustände, inneren Stimmungen und Beziehungen zu anderen Menschen fest – offen, direkt und ohne künstlerische Distanz. Die Blätter wirken wie ein Protokoll des Erlebens: intim, verletzlich und von großer dokumentarischer Kraft.
Zwei Serien, ein Leben
Die Gegenüberstellung beider Werkgruppen war kuratorisch klug gewählt: Hier die Suche nach dem Vater, dort die eigene erste Erfahrung als werdende Mutter – zwei Pole eines Lebens, die gemeinsam ein eindringliches Bild von Annegret Soltaus künstlerischem wie persönlichem Kosmos ergeben.
Video: Salomé Alfano
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