„Deutschlands Picasso ist eine Frau” – Vortrag über Paula Modersohn-Becker im Jubiläumsjahr

Museumsdirektor Frank Schmidt beleuchtet im Paula Modersohn-Becker Museum, wie eine der bedeutendsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts lange unterschätzt wurde – und warum ein provokanter Vergleich heute kaum noch einer ist.

Ein Vergleich, der einst provozierte

Als die Kunstkritikerin Julia Voss 2007 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb, Deutschlands Picasso sei eine Frau, war das noch ein Statement mit Sprengkraft. Heute, im Jubiläumsjahr des 150. Geburtstags von Paula Modersohn-Becker, dürfte kaum jemand mehr die Stirn runzeln. Der Status der Malerin als eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ist längst gesichert. Doch wie kam es dazu? Und was verbindet sie tatsächlich mit Pablo Picasso?

Ein Vortrag mit historischer Tiefenschärfe

Diesen Fragen widmete sich Dr. Frank Schmidt, Direktor des Paula Modersohn-Becker Museums in Bremen, in seinem Vortrag am 13. August 2026 im Haus. Schmidt zeichnete nach, wie das Werk der Künstlerin von ihren Zeitgenossen wahrgenommen wurde, wie die Rezeption nach ihrem frühen Tod im Jahr 1907 verlief und warum ihr bereits 1927 – weit vor allen anderen Malerinnen weltweit – ein eigenes Museum gewidmet wurde. Das Paula Modersohn-Becker Museum ist bis heute das erste Museum der Welt, das einer Malerin gewidmet ist.

Paris 1906: Zwei Genies, parallele Wege

Besondere Aufmerksamkeit widmete Schmidt dem Jahr 1906, als Paula Modersohn-Becker und Pablo Picasso gleichzeitig in Paris lebten und arbeiteten – ohne voneinander zu wissen, jedoch zu erstaunlich ähnlichen formalen und künstlerischen Lösungen gelangten. Dieser Befund ist kunsthistorisch brisant: Er zeigt, dass Modersohn-Becker keine Nachahmerin war, sondern eine eigenständige Vorreiterin der Moderne, die unabhängig auf Fragen antwortete, die die Kunst des 20. Jahrhunderts prägen sollten.

Eine Neubewertung, die längst überfällig war

Der Vortrag machte deutlich, dass die Frage nicht lautet, ob Paula Modersohn-Becker mit Picasso verglichen werden darf, sondern warum es so lange gedauert hat, bis die Kunstwelt sie auf Augenhöhe mit ihm betrachtet. Im 150. Geburtsjahr der Künstlerin ist diese Neubewertung endgültig vollzogen.

Mehr unter: www.museen-boettcherstrasse.de/

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