Künstlerische Intervention im kolonialen Archiv
Das Museum Rietberg in Zürich präsentiert die Ausstellung „Falsches Paradies“ (original: Facing a Paradise). Im Zentrum der Schau steht die kritische Auseinandersetzung mit historischen Fotografien aus der Kolonialzeit. Zwanzig zeitgenössische Kunstschaffende wurden eingeladen, mit den Archivbeständen zu arbeiten. Ziel des Projekts ist es, die oft einseitigen, stereotypen Bildwelten der Kolonialgeschichte konfrontativ zu hinterfragen und gleichzeitig einen fürsorglichen Umgang mit den abgebildeten Personen zu etablieren.
Empowerment und historische Fiktion
Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler nutzen unterschiedliche Ansätze, um die Dokumente aus ihrer rein bürokratischen oder kolonialen Funktion zu lösen. In den Statements wird betont, dass offizielle Archivdokumente die Identität der Betroffenen nicht definieren können; die historischen Aufnahmen müssen daher aktiv herausgefordert werden. Durch die künstlerische Bearbeitung sollen die dargestellten Figuren gestärkt, ihre Menschlichkeit sichtbar gemacht und ein Raum der Hoffnung und Schönheit abseits von Retraumatisierungen geschaffen werden.
Kuration gegen die Leerstellen der Geschichte
Die Kunst agiert in diesem Kontext als Narrativ, um die dokumentarischen Leerstellen der offiziellen Geschichtsschreibung zu füllen. Dabei bewegen sich die Arbeiten in einem bewussten Spannungsverhältnis zwischen historischer Realität und historischer Fiktion (fabulation historique), um alternative Sichtweisen auf die bestehenden Erzählungen zu eröffnen.
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