Hanin Hannouch – Perspektiven: Siegfried Langers Jemen-Fotografien neu gelesen

Wer hat das Recht auf das Bild? In der klassischen Fotogeschichte galt Siegfried Langer lange als der einsame europäische Entdecker, der den Jemen visuell erschloss. Doch die Forschung von Dr. Hanin Hannouch (Weltmuseum Wien) bricht dieses Narrativ auf. Ihr Vortrag „Dezentrierte Perspektiven“ rückt die lokale jemenitische Atelierkultur ins Zentrum und entlarvt gleichzeitig die rassistische Instrumentalisierung der Bilder in europäischen Sammlungen.

Der Vortrag stützt sich auf den umfangreichen Nachlass Langers im Weltmuseum Wien und bietet eine kritische Revision der anthropologischen Fotografie um 1900.

1. Die Dezentrierung des „Entdeckers“

Hannouchs Analyse beginnt mit einer Provokation für die herkömmliche Geschichtsschreibung: Langer war nicht allein. Seine fotografische Praxis wird im Vortrag den etablierten lokalen Strukturen gegenübergestellt.

2. Das Nachleben der Bilder

Der zweite Teil des Vortrags widmet sich der Rezeptionsgeschichte – oder genauer: der anthropologischen Instrumentalisierung.

  • Die Fallstudie: Eine Ikone aus Langers Werk – das Porträt eines sephardischen Juden.
  • Die Verzerrung: Hannouch zeigt auf, wie der Kurator Franz Heger diese Aufnahme nutzte, um rassistische Theorien visuell zu „beweisen“. Das Bild wurde aus seinem ursprünglichen Kontext gerissen und in den Dienst einer pseudowissenschaftlichen Hierarchisierung gestellt.
  • Kritische Revision: Dieser Teil der Forschung verdeutlicht, wie Archivmaterial in Museen oft missbraucht wurde, um imperiale Machtansprüche und rassistische Weltbilder zu stützen.

Über die Referentin: Dr. Hanin Hannouch

Hanin Hannouch ist eine der profiliertesten Stimmen in der aktuellen Fotoforschung. Seit 2025 ist sie Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für die Geschichte der Fotografie.

Mehr unter: jm-hohenems.at

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