Während die Geschichte der Videokunst in Nordamerika gut dokumentiert ist, blieb die europäische Szene lange Zeit ein Mosaik aus Bruchstücken. Die neue Ausstellung „Hidden on Tape“ im ZKM Karlsruhe ändert das nun und bringt verloren geglaubte Schätze der frühen Medienkunst zurück ans Licht.
Wie der Titel der Ausstellung bereits andeutet, begibt sich das ZKM auf eine Spurensuche nach Werken, die über Jahrzehnte als verloren galten oder auf antiquierten Bändern schlummerten. Grundlage für dieses ambitionierte Projekt ist das Forschungsprogramm Emergence of Video Art in Europe, eine Kooperation der ÉCAL Genf und der Universität Paris 8.
Archäologie der elektronischen Signale
Ein entscheidender Teil der Ausstellungsvorbereitung fand direkt im ZKM statt: im Labor für antiquierte Videosysteme. Hier werden alte Bänder mit spezialisiertem Equipment restauriert und digitalisiert, um sie der Öffentlichkeit nach Jahrzehnten wieder zugänglich zu machen.
Gemeinsame Fragen, unterschiedliche Antworten
Obwohl die Künstlerinnen und Künstler über ganz Europa verteilt arbeiteten, beschäftigten sie sich oft mit frappierend ähnlichen Themen:
- Medienkritik: Viele setzten sich kritisch mit dem damaligen Massenmedium Fernsehen auseinander und entwickelten alternative, künstlerische Gegenprogramme.
- Selbsterfahrung: Der eigene Körper vor der Kamera wurde zum zentralen Motiv der frühen Video-Experimente.
- Materialität: Die Untersuchung des elektronischen Signals an sich war ein wesentlicher Bestandteil der frühen künstlerischen Forschung.
Ein Kontinent, viele Kontexte
Trotz der thematischen Parallelen zeigt die Ausstellung auch die deutlichen Unterschiede auf, die durch die jeweiligen kulturellen und politischen Hintergründe der europäischen Länder geprägt waren. Auch die schlichte Verfügbarkeit der damals noch teuren und seltenen Videotechnik spielte eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der regionalen Szenen.
„Hidden on Tape“ versteht sich nicht als abgeschlossenes Werk, sondern als der Beginn einer komplexen Erzählung über die europäische Medienkunst, die in der Zukunft stetig weitergeschrieben werden muss.
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