Stellen Sie sich vor, Sie schalten 1969 den Fernseher ein und mitten im Programm erscheint – ohne Vorwarnung und völlig unkommentiert – ein Kunstwerk. Was heute wie ein radikales Experiment klingt, war die Vision von Gerry Schum und Ursula Wevers. Das ZKM Karlsruhe widmet dieser Pionierleistung nun eine umfassende Ausstellung.
Die Ausstellung „Der Fernseher als Galerie“ erzählt die faszinierende Geschichte der „Fernsehgalerie“ und der späteren „Videogalerie Schum“. Es ist eine Chronik über den Versuch, Kunst demokratischer zu machen und sie direkt dorthin zu bringen, wo die Menschen sind: in ihr Wohnzimmer.
Kunst ohne Wände und Eintrittspreise
Im Jahr 1969 etablierten Gerry Schum und Ursula Wevers in der ARD eine neue Art der Galerie – eine Galerie ohne Wände und ohne Eintrittspreise. Für dieses Projekt wurden eigens neue Werke produziert. Namhafte Künstler wie Joseph Beuys, Jan Dibbets, Gilbert & George sowie Robert Smithson schufen Beiträge, die heute als Meilensteine der Land Art und Konzeptkunst gelten.
Vom Fernsehen zum Heimvideo
Doch die Radikalität des Projekts stieß bei den Fernsehanstalten schnell an Grenzen. Den Sendern war das Format zu experimentell, woraufhin das Projekt gestoppt wurde. Schum und Wevers ließen sich jedoch nicht entmutigen und gründeten die „Videogalerie Schum“ – die erste Galerie weltweit, die sich ausschließlich auf den Vertrieb von Videokunst konzentrierte. Ihre Vision: Jeder sollte ein Kunstwerk mit nach Hause nehmen und es auf dem eigenen heimischen Fernseher betrachten können.
Einzigartige Einblicke in das Archiv
Das Besondere an der Schau im ZKM ist der erstmalige Einblick in das umfangreiche Archiv von Gerry Schum und Ursula Wevers. Die Besucher erwartet nicht nur eine Auswahl wunderbarer Videokunstwerke, sondern auch die dokumentierte Geschichte dahinter – eine Erzählung von faszinierender Produktion, aber auch vom Scheitern an den damaligen medialen Möglichkeiten.
Die Ausstellung ist ein Muss für alle, die sich für die Ursprünge der Medienkunst und die Frage interessieren, wie Technik die Wahrnehmung von Kunst verändern kann.
Mehr unter: zkm.de





