Echt oder Fake? Der erste Elektronische Streichelzoo im ZKM Karlsruhe

Sie schnurren, sie sind flauschig und sie reagieren auf Ihre Stimme: Doch unter dem Fell der zehn neuen Bewohner des ZKM | Karlsruhe schlägt kein Herz, sondern ein Taktgeber. Seit Ende November 2025 lädt das „Useum“ am Platz der Menschenrechte dazu ein, eine der wichtigsten Kompetenzen des KI-Zeitalters spielerisch zu erlernen: Die Unterscheidung zwischen belebter Natur und künstlicher Intelligenz.

In einer Welt, in der Sprachmodelle wie ChatGPT menschliche Empathie simulieren und Smart Homes uns „zuhören“, verschwimmen die Grenzen. Der Elektronische Streichelzoo im Foyer des ZKM setzt genau hier an und nutzt zehn Robotermeerschweinchen als Botschafter einer technologischen Aufklärung.

Die Illusion des Lebendigen

Das Projekt des ZKM | Hertzlabs ist weit mehr als ein Kinderspaß. Es ist ein Experimentierfeld für die menschliche Psyche:

  • Anthropomorphismus im Alltag: Wir neigen dazu, Maschinen menschliche oder tierische Züge zuzuschreiben, sobald sie sozial reagieren.
  • Sensibilisierung: Tina Lorenz (Leitung Hertzlab) betont, dass die Fähigkeit, „natürlich“ von „künstlich“ zu unterscheiden, grundlegend für eine gesunde Gesellschaft im 21. Jahrhundert ist.
  • KI ohne KI: Die Meerschweinchen veranschaulichen die Funktionsweise komplexer Systeme, ohne selbst zwingend auf KI angewiesen zu sein – sie dienen als greifbares Analogon für abstrakte Software-Prozesse.

Ein „Useum“ für Zukunftsfragen

Der Streichelzoo ist kostenlos zugänglich und versteht sich als Diskussionsraum für ethische und soziale Fragen:

  1. Ersatz oder Ergänzung? Können „weiche“ Roboter echte Haustiere ersetzen oder einsamen Menschen Trost spenden?
  2. Ethische Grenzen: Ist die Simulation von Nähe ein Fortschritt oder eine problematische Entfremdung von der Natur?
  3. Mensch-Maschine-Interaktion: Wie reagieren wir emotional auf ein Wesen, von dem wir wissen, dass es aus Sensoren und Stellmotoren besteht?

Wissenschaft im Hintergrund: Kooperation mit dem KIT

Hinter der flauschigen Fassade steckt ernsthafte Forschung. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Kathrin Gerling vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wird das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die zentrale Forschungsfrage lautet:

Wie und ab welchem Alter lernen Kinder, den Unterschied zwischen einem biologischen Lebewesen und einem künstlich belebten Objekt zuverlässig zu erkennen?

Mehr unter: zkm.de

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