Lange Zeit war sein Name nur Eingeweihten ein Begriff. Doch heute wird immer deutlicher: Ohne Teoman Madra (1931–2025) wäre die zeitgenössische Kunstszene der Türkei nicht dieselbe. In einem neuen Forschungs- und Videoprojekt werfen Sezin Romi und Selçuk Artut ein Schlaglicht auf das monumentale Archiv eines Künstlers, der die Brücke von der Dunkelkammer in den digitalen Cyberspace schlug.
Über fünf Jahrzehnte lang experimentierte Madra an den Rändern des technisch Machbaren. Sein Werk ist eine Chronik des technologischen Wandels – von den ersten analogen Lichtexperimenten der 1960er-Jahre bis hin zur computergenerierten Kunst der 2010er.
Ein Pionier zwischen den Welten
Madra besetzte eine Schnittstelle, die in der türkischen Kunstgeschichte lange Zeit ein blinder Fleck war:
- Analoge Experimente: Beginnend in der Mitte der 1960er Jahre, verschob er die Grenzen der Fotografie und schuf Multimedia-Performances, die das Publikum seinerzeit herausforderten.
- Digitale Visionen: Als einer der Ersten in der Türkei erkannte er das kreative Potenzial des Computers und integrierte Video und Software in sein Schaffen.
- Medienarchäologie: Selçuk Artut, der das Archiv ab 2020 aufarbeitete, betrachtet Madras Werk heute als „Fundgrube für Medienarchäologen“. Es zeigt den mühsamen, aber visionären Weg einer Kunstform, die heute omnipräsent ist.
Vom privaten Archiv zur öffentlichen Institution
Dass Madras Vermächtnis nun den Weg in den akademischen und künstlerischen Mainstream findet, ist einer großangelegten Kooperation zu verdanken:
- Das Archiv: Ein immenser Schatz aus Dokumenten, Fotografien und audiovisuellen Materialien, der durch Artut und die Familie Madra gerettet wurde.
- Salt Galata 2027: Die Forschungsarbeit von Salt mündet im nächsten Jahr in eine umfassende Retrospektive in Istanbul. Dort werden nicht nur Werke, sondern auch mündliche Überlieferungen (Oral History) gezeigt, um das „Phänomen Madra“ greifbar zu machen.
Archivierung als kreativer Akt
Im aktuellen Video-Vortrag diskutieren die Experten zwei komplementäre Ansätze:
- Selçuk Artut analysiert die technische Evolution und die Archivforschung aus der Sicht des Künstlers und Wissenschaftlers.
- Sezin Romi widmet sich der kuratorischen Herausforderung: Wie macht man ein so komplexes, multimediales Erbe zugänglich, ohne seinen experimentellen Geist zu verlieren?
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