Er begann als Jazz-Schlagzeuger, entdeckte in Berlin die Welt der Klangkunst und reiste durch Peru und Japan. Heute taucht Marco Barotti mit seinen Installationen unter die Meeresoberfläche ab, um geschädigte Korallenriffe mit Musik wieder zum Leben zu erwecken. Ein Gespräch über Kunst als ökologisches Heilmittel und die Frage, wie Klang eine Brücke zwischen den Welten schlagen kann.
Von der Bühne ins Labor: Eine künstlerische Wandlung
Marco Barottis Weg führte von den Jazzclubs an die Schnittstelle von Technologie und Natur. In Berlin, dem Zentrum seiner künstlerischen Entwicklung, fand der Musiker zum Medienkünstler. Doch der Übergang war alles andere als gradlinig. Zwischen den Klängen der Großstadt beschäftigte er sich mit der elektromagnetischen Verschmutzung, die unsichtbar, aber allgegenwärtig ist. Reisen nach Peru und Japan, wo er Schamanismus erlebte, prägten sein Verständnis von Klang als spirituellem und physischem Medium. Diese Erfahrungen veränderten nicht nur seine Kunst, sondern auch sein Verhältnis zur Welt – weg vom rein menschlichen Zentrum, hin zu einem Dialog mit der Umwelt.
„Coral Sonic Resilience”: Konzert unter Wasser
Barottis aktuelles Werk trägt den Namen Coral Sonic Resilience und klingt wie Science-Fiction, basiert aber auf harter Wissenschaft. Der Künstler setzt Unterwasser-Klanginstallationen ein, um Fische zurück zu geschädigten Korallenriffen zu locken. Die Idee ist so einfach wie genial: Klang als ökologisches Heilmittel. Barotti arbeitet dabei eng mit echter Meeresbiologie-Forschung zusammen und nutzt akustische Signale, die in der Natur vorkommen, um zerstörte Ökosysteme wieder anzuregen. Wo menschliche Eingriffe das Gleichgewicht zerstört haben, soll Kunst nun helfen, es wiederherzustellen.
Klang als Brücke in eine mehr-als-menschliche Welt
Das Interview mit Marco Barotti ist ein persönliches, poetisches Gespräch über Krise und Neuanfang. Es geht um die Frage, wie Kunst jenseits des Menschen wirken kann – als Vermittlerin zwischen menschlicher und mehr-als-menschlicher Welt. Für Barotti ist Klang nicht nur etwas, das wir hören, sondern etwas, das wirkt. Ob unter Wasser oder in der Stadt, ob als Jazz-Schlagzeuger oder als Medienkünstler: Sein ganzes Schaffen kreist um die Suche nach Resonanz – zwischen Spezies, zwischen Krisen und zwischen den Möglichkeiten eines Neuanfangs.
Mehr unter: zkm.de





