Wenn der Bodensee im Winternebel versinkt, erstrahlen in den Städtischen Museen Konstanz die Leinwände in strahlendem Weiß. Die Ausstellung „Verschneites Land“ präsentiert rund 60 Meisterwerke aus der hochkarätigen Sammlung der Dr. Axe-Stiftung und entführt die Besuchenden in die frostige Welt der Düsseldorfer Malerschule.
Der Winter gilt seit jeher als die Königsdisziplin der Landschaftsmalerei. Die Herausforderung, die nuancenreiche Farbigkeit von Schnee und das besondere Licht der kalten Monate einzufangen, inspirierte Generationen von Kunstschaffenden. In Konstanz wird dieser Wandel der Jahreszeiten nun durch die Augen der Düsseldorfer Spezialisten erlebbar.
Von der Erzählfreude zur Lichtmagie
Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen über die Entwicklung des Winterbildes im 19. und frühen 20. Jahrhundert:
- Die Romantiker und Erzähler: Inspiriert von den alten niederländischen Meistern wie Pieter Bruegel d. Ä., schufen Maler wie Carl Hilgers und Gustav Lange detailreiche Szenen. Hier geht es nicht nur um Natur, sondern um das pralle Leben: Eisläufer, Reisigsammler und verschneite Dörfer bieten Unterhaltung, aber oft auch eine moralisierende Botschaft über die Härte des Lebens.
- Die Spezialisten: Als Schüler von Wilhelm Schirmer trieben Künstler wie Carl Ludwig Scheins die Präzision des Schneebildes auf die Spitze. Frostige Atmosphäre und gefrorene Gewässer werden fast greifbar.
- Der Einbruch der Moderne: Die jüngeren Vertreter wie Olof Jernberg und Helmuth Liesegang verließen die erzählerische Strenge. Als Wegbereiter des Impressionismus konzentrierten sie sich auf das Spiel des Sonnenlichts auf der Schneedecke und entdeckten Blau-, Violett- und Rosatöne in einer vermeintlich weißen Welt.
Malen im Frost: Die Geburtsstunde der Freilichtmalerei
Schon früh zog es die Düsseldorfer Maler hinaus in die Natur. Seit der Gründung des „Landschaftlichen Componirvereins“ im Jahr 1827 gehörte das Studium vor Ort zum guten Ton – ungeachtet der Temperaturen. Diese Unmittelbarkeit der Naturerfahrung ist jedem der 60 Exponate anzusehen und macht die Schau zu einem atmosphärischen Erlebnis.
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