Vietnam trifft DDR: Ausstellung beleuchtet Solidarität, Vertragsarbeit und zeitgenössische Perspektiven

Ausstellungsgrafik in Gelb. Der schriftzug VIETNAM. KUNST. DDR. RECLAIMING SOLIDARITY schwingt sich von oben nach unten wie eine Spirale durchs Bild. Oben links das Logo der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank. Unten rechts: 9.9.-6.12.2026
© Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank

Ab dem 9. September 2026 zeigt die Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank die Ausstellung „VIETNAM. KUNST. DDR. RECLAIMING SOLIDARITY”. Sie erzählt vom künstlerischen Austausch zwischen der DDR und Vietnam, hinterfragt einseitige Solidaritätsmythen und rückt die Lebensrealitäten vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen ins Licht.

Solidarität im Kalten Krieg: Wenn Kunst Politik transportierte

Während des Vietnamkriegs erlebte die DDR eine breite Welle der Solidarität mit Nordvietnam. Dieser politische Leitgedanke schlug sich nicht nur in Demonstrationen und Spenden nieder, sondern auch in einer vielfältigen künstlerischen Produktion. Die Ausstellung beleuchtet diesen Austausch zwischen der Demokratischen Republik Vietnam – später der Sozialistischen Republik Vietnam – und der DDR. Sie zeigt, wie Künstler:innen beider Länder das Motiv der internationalen Solidarität verhandelten und welche Bilder dabei entstanden.

Jenseits des Mythos: Vertragsarbeiter*innen und ihre Realität

Doch die Ausstellung geht über die offizielle Staatssolidarität hinaus. Sie richtet den Blick auf die Lebensrealitäten vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen in der DDR – ein Kapitel, das lange im Schatten der großen politischen Narrative stand. Zeitgenössische Künstler:innen setzen sich heute kritisch mit dieser Geschichte auseinander und fragen: Was bedeutete Solidarität wirklich für die Betroffenen? Wer sprach für wen und welche Projektionen wurden dabei transportiert?

Macht, Projektion und Handlungsspielräume

Anhand ausgewählter Werke aus der DDR und der Gegenwart untersucht die Schau, wie sich Solidarität in der Kunst ausdrückt – und wo ihre Grenzen liegen. Im Zentrum steht ein kritischer Diskurs über Machtverhältnisse, einseitige Projektionen, kulturelle Zuschreibungen und individuelle Handlungsspielräume. Die Ausstellung lädt dazu ein, den Begriff der Solidarität selbst zu hinterfragen: War er immer gegenseitig, oder folgte er einer bestimmten politischen Logik?

Im Dialog mit der Sammlung

Ergänzt werden die gezeigten Positionen durch Arbeiten aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank. Diese Werke ordnen die vietnamesisch-deutschen Arbeiten in einen größeren Zusammenhang sozialistischer Bildproduktion ein oder treten mit ihnen in einen neuen, kritischen Dialog. So entsteht ein erweiterter Blick auf die Ästhetiken und Ideologien des 20. Jahrhunderts und ihre Nachwirkungen bis heute.

Mehr unter: kunstforum.berlin

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