Von Monet bis Picasso: Jüdische Kunstsammler in Deutschland. Ausstellung im Bucerius Kunst Forum Hamburg

Die Ausstellung „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler in Deutschland“ im Bucerius Kunst Forum Hamburg richtet den Blick auf einen bislang vielfach übersehenen Teil der deutschen Kunstgeschichte. Im Mittelpunkt stehen 15 bedeutende Kunstsammlungen deutscher Jüdinnen und Juden vor 1945 und die Menschen, die mit ihrer Sammeltätigkeit die Entwicklung der modernen Kunst in Deutschland maßgeblich unterstützten.

Rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen führen durch die Zeit vom Realismus und Impressionismus über den Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit. Werke von Künstler wie Claude Monet, Pablo Picasso, Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paula Modersohn-Becker und Ernst Ludwig Kirchner treffen dabei auf die Lebensgeschichten ihrer einstigen Besitzer.

Fünfzehn Sammlungen und ihre Geschichten

Die Ausstellung rekonstruiert die Sammlungen von 15 Familien, Paaren und Einzelpersonen aus unterschiedlichen Teilen des damaligen Deutschen Reiches. Zu ihnen gehören unter anderem die Familie Hirschland, Paul und Clothilde Schüler, Martha und Walter Blank, Max Meirowsky, Rosa Schapire und Margarete Mauthner.

Die Kunstwerke, die einst zu ihren Sammlungen gehörten, sind heute über Museen und private Bestände auf der ganzen Welt verstreut. Für die Ausstellung wurden zahlreiche Werke wieder zusammengeführt.

Jeder Sammlung ist ein eigener Raum gewidmet. Dort treten die Kunstwerke mit historischen Dokumenten, Fotografien und persönlichen Geschichten der Sammler in Beziehung.

Jüdische Sammler als Förderer der Moderne

Die Ausstellung macht deutlich, welche wichtige Rolle jüdische Kunstsammler für die Etablierung moderner Kunst in Deutschland spielten.

Während die offizielle Kunstpolitik des Kaiserreichs noch lange von konservativen Vorstellungen geprägt war, begegneten viele jüdische Sammler neuen künstlerischen Strömungen mit großer Offenheit. Sie erwarben Werke moderner Künstler, unterstützten Galerien und Künstler und engagierten sich in Museen, Kunstvereinen und Publikationen.

Ihre Bedeutung ging damit weit über den privaten Kunstbesitz hinaus. Durch Mäzenatentum und kulturelles Engagement trugen sie dazu bei, neue Kunstformen gesellschaftlich bekannt und akzeptiert zu machen.

Von Impressionismus bis Expressionismus

Die Ausstellung präsentiert ein breites Panorama der klassischen Moderne. Zu sehen sind unter anderem Werke von Georges Braque, Paul Cézanne, Lovis Corinth, Vincent van Gogh, Ferdinand Hodler, Franz Marc, Paula Modersohn-Becker, Claude Monet, Edvard Munch, Max Pechstein, Pablo Picasso, Camille Pissarro und Karl Schmidt-Rottluff.

Ergänzt werden Gemälde durch Zeichnungen, Druckgrafiken, Künstler und Skulpturen.

Die Gegenüberstellung macht sichtbar, welche unterschiedlichen Interessen und Vorlieben hinter den einzelnen Sammlungen standen – und wie individuell sich die Sammler mit der Kunst ihrer Zeit auseinandersetzten.

Verfolgung, Enteignung und Zerschlagung der Sammlungen

Ein zentraler Bestandteil der Ausstellung ist die Geschichte der Verfolgung jüdischer Sammler während der Zeit des Nationalsozialismus.

Nach der Machtübernahme 1933 wurden zahlreiche Menschen ausgegrenzt, entrechtet, enteignet und zur Flucht ins Exil gezwungen. Andere wurden deportiert und ermordet.

Auch die Kunstsammlungen wurden systematisch unter Druck gesetzt. Zwangssteuern, Vermögenssperren, Ausreiseverbote und Devisenauflagen konnten jüdische Sammler dazu zwingen, Teile oder den gesamten Kunstbesitz aufzugeben.

Was geschah mit den Kunstwerken?

Mit der Zerschlagung der Sammlungen begann für viele Kunstwerke eine jahrzehntelange Reise. Netzwerke aus Kunsthändler, Museen, staatlichen Akteur und internationalen Käufer waren an den Verwertungsprozessen während der NS-Zeit beteiligt.

Nach 1945 gelangten die Werke in private und institutionelle Sammlungen auf der ganzen Welt. Ihre Herkunftsgeschichte war teilweise nicht mehr bekannt oder wurde bewusst verschleiert.

In einigen Fällen konnten jüdische Familien ihren Kunstbesitz hingegen über die Zeit des Nationalsozialismus retten.

Restitution und Erinnerungskultur

Die Ausstellung verbindet kunsthistorische Forschung mit der Auseinandersetzung um Provenienz, Enteignung und Erinnerungskultur.

Dabei geht es nicht nur um die Frage, wo sich ein bestimmtes Kunstwerk heute befindet. Ebenso wichtig ist die Erinnerung an die Menschen, die es einst besaßen, sammelten und förderten.

Die aufwändige Recherche für die Ausstellung zeigt, dass viele jüdische Sammler, deren Tätigkeit eng mit der Entwicklung der deutschen Moderne verbunden war, heute nur noch Fachleuten bekannt sind.

„Von Monet bis Picasso“ möchte diese Persönlichkeiten und ihre kulturelle Leistung wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.

15 Sammler und Sammlungen im Überblick

Im Zentrum der Ausstellung stehen:

  • Adolf und Luise Bensinger, Mannheim
  • Martha und Walter Blank, Köln
  • Max Emden, Hamburg
  • Familie Hirschland, Essen
  • Wilhelm Landmann, Mannheim
  • Antonie und Ernst Lessing, Berlin
  • Margarete Mauthner, Berlin
  • Max Meirowsky, Köln
  • Familie von Mendelssohn, Berlin
  • Hugo und Martha Nathan, Frankfurt am Main
  • Margarete Oppenheim, Berlin
  • Rosa Schapire, Hamburg
  • Clothilde und Paul Schüler, Bochum
  • Max Silberberg, Breslau
  • Alfred Wolf, Stuttgart

Drei Hamburger Ausstellungen zur jüdischen Geschichte

Parallel zu „Von Monet bis Picasso“ widmen sich in Hamburg zwei weitere Ausstellungen jüdischer Geschichte und Erinnerung.

Das MARKK zeigt vom 28. August 2026 bis 27. Juni 2027 die Ausstellung „Zuschreibung: Jüdisch – Fragen an die Geschichte des MARKK“. Im Mittelpunkt stehen Objektgeschichten und Biografien rund um die als verschollen geltende Sammlung der Hamburger Gesellschaft für jüdische Volkskunde.

Das Altonaer Museum beschäftigt sich vom 12. November 2026 bis 5. Juli 2027 mit „Menschen & Orte. Hamburgs jüdische Geschichte“. Die Ausstellung beleuchtet jüdisches Leben in Hamburg in Geschichte und Gegenwart und fragt nach Zugehörigkeit, Identität und Ausgrenzung.

Gemeinsam eröffnen die drei Ausstellungen unterschiedliche Perspektiven auf jüdische Geschichte, Kultur und Erinnerung in Hamburg.

Kunstgeschichte und Erinnerung miteinander verbunden

„Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler in Deutschland“ erzählt damit nicht allein die Geschichte bedeutender Kunstwerke. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng Kunst, gesellschaftliches Engagement, jüdische Geschichte und die Verfolgung im Nationalsozialismus miteinander verbunden sind.

Die Ausstellung wurde von Stefan Koldehoff und Dr. Kathrin Baumstark konzipiert und kuratiert. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und wird durch die Kulturstiftung des Bundes sowie durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Mehr unter: hwww.buceriuskunstforum.de

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