In diesem Interview des Historischen Museums Frankfurt im Rahmen der Ausstellung “Stadt der Fotografinnen. Frankfurt 1844 – 2024” von 29 Mai 2024 bis 22. September 2024, berichtet die Fotografin Ursula Edelmann über ihren Werdegang, ihre Technik und ihre tiefe Verbindung zur Stadt Frankfurt. Hier ist eine Zusammenfassung ihrer wichtigsten Stationen und Arbeitsweisen. Ab 3. März 2026 zeigt das Historische Museum Frankfurt anlässlich des 100. Geburtstags der Fotografin eine Sammlungspräsentation unter dem Titel: “Stadtbilder – Ikonen des Stadtwandels”
Anfänge und Ausbildung
- Der Weg zur Fotografie: Obwohl ihr Vater, selbst Hobbyfotograf, ihr kurz vor seiner Einberufung riet, nichts mit Fotografie zu machen („Das ist elitär, das braucht keiner“), entschied sie sich bewusst für diesen Beruf, da es das erste Mal war, dass sie etwas frei wählen konnte.
- Ausbildung bei Max Bauer: Sie fand schnell eine Lehrstelle bei Max Bauer in Potsdam. In der dreijährigen Ausbildung lernte sie das Handwerk von Grund auf: Filme entwickeln, Vergrößerungen anfertigen, Fotos trocknen, mit dem Lineal glätten und das manuelle Ausflecken von Fehlern mit Pinsel und Farbe.
Karriere in Frankfurt
- Neuanfang in Frankfurt: Nach ihrer Prüfung mit Auszeichnung reiste sie aus dem amerikanischen Sektor Berlins nach Frankfurt aus, wo sie Freunde hatte.
- Erste Aufträge: Trotz ihrer Schüchternheit fragte sie mutig nach Aufträgen. Ihr Einstieg war ein voller Erfolg: Ihre ersten Architekturaufnahmen begeisterten so sehr, dass sowohl die Auftraggeber als auch der Architekt des Hauses sie fortan buchten.
- Dokumentation des Wiederaufbaus: Für das Hochbauamt fotografierte sie systematisch die wiederaufgebauten Gebäude der Stadt. Dabei achtete sie akribisch auf das richtige Licht und vermied es, Menschen auf den Bildern zu haben, um die Architektur rein wirken zu lassen.
Technik und Stil
- Architekturfotografie: Besonders wichtig war ihr die Vermeidung „stürzender Linien“. Häuser mussten auf ihren Bildern gerade und fest stehen.
- Nacht- und Dämmerungsaufnahmen: Edelmann spezialisierte sich auf Aufnahmen in der Dämmerung, um die extremen Helligkeitsunterschiede der Stadt bei Nacht auszugleichen. Sie baute ihre Kamera bereits vor der Dunkelheit auf, um den perfekten Moment abzupassen.
- Skulpturenfotografie (Liebieghaus): Bei der Arbeit in Museen legte sie Wert auf ein klares Hauptlicht und eine dezente Aufhellung, um die Plastizität der Skulpturen zu betonen, ohne dass die zusätzliche Beleuchtung künstlich wirkte.
- Ausrüstung: Sie arbeitete lange mit einer großen Linhof-Kamera (Format 9×12) und nutzte spezielle Ausgleichsentwickler (Holfit), um Überstrahlungen, zum Beispiel bei Fenstern, zu vermeiden.
Heute hat Ursula Edelmann das Fotografieren eingestellt, mit dem Bewusstsein, in ihrem Leben genug und Bedeutendes mit der Kamera festgehalten zu haben.
Die Ausstellung „Stadt der Fotografinnen – Frankfurt 1844-2024“ im Historischen Museum Frankfurt würdigt unter anderem ihre Arbeit.
Interview und Film: Ursula Schmidt Pallmer
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