„Tie-dye: gefaltet, genäht, gefärbt“ – Museum der Kulturen Basel zeigt die Kunst des Stofffärbens

Wie entstehen kunstvolle Muster auf Stoffen, die vor dem Färben gefaltet, genäht oder abgebunden werden? Die Ausstellung „Tie-dye: gefaltet, genäht, gefärbt“ im Museum der Kulturen Basel widmet sich traditionellen und zeitgenössischen Textiltechniken aus unterschiedlichen Weltregionen. Rund 250 Exponate zeigen die Vielfalt der Verfahren und machen die aufwendigen Herstellungsprozesse nachvollziehbar. Ein zentraler Laufsteg, interaktive Stationen und eine Installation der Künstlerin Marie Schumann verbinden Textilkunst, Handwerk und räumliche Gestaltung.

Tie-dye im Museum der Kulturen Basel: Textile Muster aus aller Welt

Im Museum der Kulturen Basel steht eine besondere Form der Textilgestaltung im Mittelpunkt: Tie-dye. Der englische Begriff bezeichnet unterschiedliche Verfahren, bei denen Stoffe vor dem Färben abgebunden, gefaltet, zusammengenäht oder auf andere Weise verformt werden. Durch diese Vorbereitung können bestimmte Bereiche des Gewebes weniger oder gar keine Farbe aufnehmen. Nach dem Färben und dem Lösen der Bindungen entstehen geometrische Muster, Linien, Kreise und komplexe Ornamente.

Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig diese Techniken sind und welche handwerklichen Fähigkeiten für ihre Anwendung benötigt werden. Grundlage bildet die umfangreiche Textilsammlung des Museums der Kulturen Basel. Sie ermöglicht es, nicht nur fertige Kleidungsstücke und Stoffe zu präsentieren, sondern auch die einzelnen Schritte ihrer Herstellung zu dokumentieren.

Ein Catwalk für Kimonos, Kinderkleider und kunstvoll gefärbte Stoffe

Ein besonderer Blickfang der Ausstellung ist ein zentral angelegter Laufsteg. Auf diesem Catwalk stehen jedoch keine Models im Mittelpunkt, sondern die Textilien selbst. Zu sehen sind unter anderem Kimonos, Kinderkleider, Tücher und Schuhe, deren Oberflächen mit aufwendigen Mustern gestaltet wurden.

Die Präsentation erinnert an eine Modenschau, lenkt den Blick aber vor allem auf die handwerkliche Qualität der ausgestellten Stücke. Die Kleidungsstücke verdeutlichen, wie unterschiedlich Tie-dye-Techniken eingesetzt werden können und welche gestalterischen Möglichkeiten sie eröffnen. Der Laufsteg bildet das Zentrum der Ausstellung. Die eigentliche Vermittlung der Herstellungsprozesse findet an den umliegenden Stationen statt. Dort können Besucherinnen und Besucher nachvollziehen, wie aus einem zunächst einfarbigen Gewebe durch gezieltes Falten, Nähen, Abbinden und Färben komplexe Muster entstehen.

Shibori, Bāndhanī und Adirẹ: Traditionelle Färbetechniken im Vergleich

Tie-dye ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche textile Verfahren, die sich in verschiedenen Weltregionen entwickelt haben. Zu den bekanntesten gehört Shibori aus Japan. Dabei wird Stoff beispielsweise gefaltet, gebunden, genäht oder gepresst, bevor er gefärbt wird. Weitere in der Ausstellung vorgestellte Techniken sind Plangi, Bāndhanī, Tritik und Adirẹ. Sie stehen für unterschiedliche Traditionen der Musterung und Textilgestaltung in Afrika, Asien, Europa und Südamerika.

Obwohl die einzelnen Verfahren Gemeinsamkeiten aufweisen, unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Materialien, Arbeitsschritte und gestalterischen Ergebnisse. Die Ausstellung macht damit auch die globale Dimension der Textilkunst sichtbar. Sie zeigt, dass die Idee, Stoff durch gezielte Verformung vor dem Färben zu gestalten, in unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen aufgegriffen und weiterentwickelt wurde.

Falten, Nähen und Färben: Wie Tie-dye-Muster entstehen

Ein wesentliches Merkmal der Tie-dye-Techniken ist ihre dreidimensionale Arbeitsweise. Bevor der Stoff gefärbt wird, erhält er durch Falten, Binden, Nähen oder Zusammenziehen eine räumliche Form.

Diese Verformung beeinflusst, welche Bereiche des Gewebes mit dem Farbstoff in Berührung kommen. Erst nach dem Färben wird sichtbar, welches Muster durch die Vorbereitung entstanden ist. Bei manchen Textilien wird die räumliche Form anschließend wieder aufgelöst. Andere behalten ihre Faltungen oder plastischen Strukturen dauerhaft. Eine eigene Ausstellungsstation widmet sich diesem dreidimensionalen Aspekt und verdeutlicht, wie eng Material, Technik und Gestaltung miteinander verbunden sind.

Kuratorin Stephanie Lovász erklärt die Kunst hinter den Mustern

Kuratiert wird die Ausstellung von Stephanie Lovász. Sie hebt insbesondere die handwerklichen Anforderungen der unterschiedlichen Tie-dye-Verfahren hervor. Für die Herstellung komplexer Muster braucht es nicht nur Kreativität und Geschicklichkeit, sondern auch Erfahrung, präzise Planung und ein Verständnis geometrischer Zusammenhänge. Denn die später sichtbaren Muster müssen häufig bereits während des Faltens oder Nähens vorausgedacht werden. Die Arbeit mit Stoff, Form und Farbe verlangt deshalb ein hohes Maß an Konzentration und technischem Wissen. Die Ausstellung möchte diese Leistungen sichtbar machen und die Wertschätzung für traditionelles und zeitgenössisches Textilhandwerk stärken.

Rund 250 Exponate dokumentieren die Vielfalt des Textilhandwerks

Die Ausstellung umfasst rund 250 Exponate aus der Sammlung des Museums der Kulturen Basel. Neben fertigen Textilien werden auch Geräte, Werkzeuge und Materialien präsentiert, die bei ihrer Herstellung zum Einsatz kommen. Dadurch lassen sich einzelne Arbeitsschritte besonders anschaulich nachvollziehen. Die Besucherinnen und Besucher erfahren, wie aus einer bestimmten Faltung oder Naht ein konkretes Muster entsteht und welche Unterschiede sich durch verschiedene Techniken ergeben. Die umfangreiche Dokumentation der Sammlung ermöglicht einen Einblick in die Herstellungsprozesse, der über die reine Betrachtung fertiger Stoffe hinausgeht.

Tie-dye selbst ausprobieren: Mitmachstationen für Besucher

Die Ausstellung setzt nicht nur auf das Betrachten historischer und zeitgenössischer Textilien. An einer Mitmachstation können Besucherinnen und Besucher selbst verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten ausprobieren. Dabei wird erfahrbar, wie sich Stoff durch Falten und andere Techniken verändern lässt und welche Überlegungen hinter der Entstehung eines Musters stehen. Das praktische Experimentieren ergänzt die ausgestellten Objekte und macht die handwerklichen Herausforderungen unmittelbar nachvollziehbar. Zugleich soll es dazu anregen, die Arbeit und das Wissen hinter kunstvoll gestalteten Textilien neu wahrzunehmen.

Wechselnde Exponate auf dem Laufsteg

Die Präsentation im Museum der Kulturen Basel bleibt während der Ausstellungslaufzeit nicht vollständig unverändert. Etwa alle sechs Monate werden einzelne Textilien auf dem Catwalk ausgetauscht. Dadurch können weitere Stücke aus der Sammlung gezeigt und unterschiedliche Musterungs- und Färbetechniken vorgestellt werden. Für das Publikum eröffnet sich damit die Möglichkeit, die Ausstellung mehrfach zu besuchen und zusätzliche Aspekte der umfangreichen Textilsammlung kennenzulernen.

Marie Schumann: „Sequences, Screens“ im Treppenhaus

Ergänzt wird die Ausstellung durch die ortsspezifische Installation „Sequences, Screens“ der Künstlerin Marie Schumann. Die Arbeit ist während der Ausstellungslaufzeit im Treppenhaus des Museums zu sehen. Wie bei den Tie-dye-Verfahren spielt auch hier die räumliche Veränderung textiler Materialien eine zentrale Rolle. Das Gewebe entwickelt sich von einer flachen Struktur zu einer skulpturalen Form und erstreckt sich über mehrere Etagen. Je nach Standort und Blickwinkel ergeben sich unterschiedliche Ansichten. Die Installation greift damit ein zentrales Thema der Ausstellung auf: die Möglichkeit, textile Materialien nicht nur als Oberfläche, sondern auch als räumliches Gestaltungselement zu verstehen.

Textilkunst zwischen Tradition und Gegenwart

Mit „Tie-dye: gefaltet, genäht, gefärbt“ richtet das Museum der Kulturen Basel den Blick auf eine Handwerkstradition, die weltweit in unterschiedlichen Formen verbreitet ist. Die Ausstellung verbindet historische Textilien mit praktischen Einblicken in ihre Herstellung und zeitgenössischen künstlerischen Positionen.

Dabei wird deutlich, dass Tie-dye weit mehr ist als eine dekorative Färbetechnik. Die Verfahren beruhen auf komplexem handwerklichem Wissen und verbinden mathematische Überlegungen mit gestalterischer Fantasie. Der begleitende Videobeitrag bietet Einblicke in die Ausstellung und zeigt, wie aus einfachen Materialien und präzisen Arbeitsschritten kunstvolle textile Muster entstehen.

Produktion: arttv.ch

Mehr unter: www.mkb.ch

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