„Mythos – alte Geschichten, neue Formen“: Hans Erni Museum zeigt zeitgenössische Kunst von Künstlerinnen

Wie aktuell sind die Götter- und Heldensagen der Antike? Dieser Frage widmet sich die Gruppenausstellung „Mythos – alte Geschichten, neue Formen“ im Hans Erni Museum in Luzern. In Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft Bildender Künstlerinnen (SGBK), Sektion Bern/Romandie, präsentiert das Museum ausschließlich Werke von Künstlerinnen. Die Ausstellung verbindet historische Mythen mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen und knüpft zugleich an das Schaffen des Schweizer Künstlers Hans Erni (1909–2015) an.

Hans Erni Museum Luzern widmet sich antiken und modernen Mythen

Mythen gehören zu den ältesten Formen menschlicher Weltdeutung. Seit Jahrtausenden erzählen Menschen Geschichten über die Entstehung der Welt, das Verhältnis zwischen Göttern und Menschen sowie über grundlegende Fragen des Lebens. Bekannte Beispiele sind die griechischen und römischen Götter- und Heldensagen, wie sie unter anderem in den Werken von Homer und Ovid überliefert wurden. Diese Erzählungen dienten dazu, Naturphänomene, menschliches Verhalten und existenzielle Erfahrungen in bildhafter Form verständlich zu machen.

Die Ausstellung „Mythos – alte Geschichten, neue Formen“ im Hans Erni Museum untersucht, wie solche Erzählungen bis heute in der Kunst aufgegriffen, verändert und neu interpretiert werden. Dabei geht es nicht allein um antike Überlieferungen. Auch moderne Vorstellungen und gesellschaftliche Erzählmuster werden als mögliche Formen des Mythos betrachtet.

Zeitgenössische Künstlerinnen interpretieren mythologische Erzählungen neu

Im Mittelpunkt stehen künstlerische Positionen von Mitgliedern der SGBK sowie eingeladenen Künstlerinnen aus der Luzerner Kunstszene. Die Ausstellung eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf die Bedeutung von Mythen in der Gegenwart. Mythologische Figuren, überlieferte Geschichten und symbolische Motive können dabei neu zusammengesetzt, hinterfragt oder aus persönlichen Erfahrungen heraus interpretiert werden. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen vertrauten Erzählungen und ihrer künstlerischen Neubewertung. Die Ausstellung fragt auch danach, welche Bedeutung Mythen für heutige Vorstellungen von Identität, Moral und gesellschaftlichen Werten besitzen.

Mythos zwischen Weltdeutung, Wissenschaft und Fantasie

Mythen wurden in verschiedenen Kulturen genutzt, um grundlegende Fragen nach dem Ursprung der Welt und der Stellung des Menschen zu beantworten. Anders als wissenschaftliche Erklärungsmodelle arbeiten sie häufig mit Personifikationen, Symbolen und erzählerischen Bildern. Götter, Heldinnen und Helden oder fantastische Wesen verkörpern dabei Kräfte und Eigenschaften, die über die einzelne Figur hinausweisen.

In der zeitgenössischen Kunst können solche Bilder neue Bedeutungen erhalten. Künstlerinnen greifen beispielsweise überlieferte Symbole auf, verändern deren ursprünglichen Zusammenhang oder stellen traditionelle Deutungen infrage. Die Ausstellung macht deutlich, dass Mythen nicht nur historische Erzählungen sind, sondern weiterhin als kulturelle Bezugspunkte dienen können.

Hans Erni: Mythologie als Teil eines humanistischen Menschenbildes

Einen wichtigen Ausgangspunkt bildet das Werk des Schweizer Künstlers Hans Erni (1909–2015). Erni beschäftigte sich während seiner langen künstlerischen Laufbahn immer wieder mit mythologischen Figuren und antiken Themen. Seine Arbeiten verbinden klassische Bildmotive mit einem Menschenbild, das von humanistischen Idealen geprägt ist. Dabei setzte er sich auch mit technischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen des 20. Jahrhunderts auseinander. Gerade die Verbindung zwischen antiker Mythologie, moderner Wissenschaft und gesellschaftlichen Fragestellungen kennzeichnet einen wesentlichen Teil seines Schaffens.

Die Gruppenausstellung nimmt diese Themen auf und stellt ihnen unterschiedliche zeitgenössische Sichtweisen gegenüber. Dadurch entsteht ein Dialog zwischen Ernis künstlerischem Werk und den Positionen der beteiligten Künstlerinnen.

24 Künstlerinnen aus der Schweiz beteiligen sich an der Ausstellung

An der Gruppenausstellung nehmen insgesamt 24 Künstlerinnen teil. Vertreten sind Mitglieder der SGBK und Gäste aus der Luzerner Kunstszene. Zu den Beteiligten gehören Beatrice Bader, Ruth Baettig, Claudia Bucher, Krystyna Diethelm, Cornelia Egli, Monika Feucht, Barbara Freiburghaus, Elisabeth Fux, Selina Gaillard, Barbara Gut, Brigitte Haas, Alexandra Haeberli, Barbara Hennig Marques, Karin Hofer, Patricia Jacomella Bonola, Christine Jenzer-Montet, Anne-Christine Kalbermatten, Monika Loeffel, Marina Ortelli, Maria Petrushina, Ruth Righetti, Verena Romanens, Sabina Schwaar und Cécile Stadelmann.

Die Vielzahl der beteiligten Künstlerinnen ermöglicht unterschiedliche Zugänge zum Ausstellungsthema. Dabei stehen nicht nur die bildlichen Darstellungen mythologischer Figuren im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie überlieferte Geschichten aus heutiger Perspektive gelesen und künstlerisch weiterentwickelt werden können.

Schweizerische Gesellschaft Bildender Künstlerinnen als Ausstellungspartnerin

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft Bildender Künstlerinnen (SGBK), Sektion Bern/Romandie. Die Organisation setzt sich für die Sichtbarkeit und Vernetzung professionell arbeitender Künstlerinnen ein. Mit der gemeinsamen Ausstellung im Hans Erni Museum erhalten die beteiligten Künstlerinnen eine Plattform, um ihre individuellen Positionen zu einem übergreifenden kulturellen Thema vorzustellen. Die Kooperation verbindet damit die Auseinandersetzung mit mythologischen Erzählungen mit der Präsentation zeitgenössischer Kunst von Frauen.

Zwischen Tradition und Dekonstruktion: Wie Kunst Mythen hinterfragt

Ein zentraler Gedanke der Ausstellung ist die Möglichkeit, bekannte Geschichten aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Mythen können kulturelle Werte vermitteln, gesellschaftliche Rollenbilder festigen oder Vorstellungen über Macht, Herkunft und Identität prägen. Zeitgenössische Kunst kann solche Erzählungen jedoch auch aufbrechen und alternative Interpretationen entwickeln. Die Ausstellung eröffnet damit einen Raum für die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Geschichten Gesellschaften über sich selbst erzählen und wie diese Vorstellungen verändert werden können. Historische und moderne Mythenbilder begegnen sich dabei nicht als Gegensätze, sondern als unterschiedliche Formen menschlicher Sinnsuche.

Publikation und Veranstaltungen begleiten die Ausstellung

Ergänzend zur Gruppenausstellung erscheint eine Publikation. Darüber hinaus ist ein Veranstaltungsprogramm vorgesehen, das Gelegenheit zur vertiefenden Auseinandersetzung mit den ausgestellten Werken und dem Thema Mythos bietet. Die Ausstellung versteht sich somit nicht ausschließlich als Präsentation künstlerischer Arbeiten, sondern auch als Ausgangspunkt für Gespräche über kulturelle Überlieferungen und ihre Bedeutung in der Gegenwart.

Mit „Mythos – alte Geschichten, neue Formen“ verbindet das Hans Erni Museum sein kunsthistorisches Profil mit zeitgenössischen Perspektiven und rückt zugleich das Schaffen von Künstlerinnen in den Mittelpunkt.

Produktion: arttv.ch

Mehr unter: www.verkehrshaus.ch/de/ihr-besuch/museum/hans-erni-museum

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