In einer Zeit, in der die Malerei als feministisches Medium kaum denkbar schien, eroberte Sue Williams die Leinwand zurück. Das Belvedere 21 zeigt mit „Wütende Bilder“ eine Künstlerin, die systematische Gewalt und gesellschaftliche Missstände mit radikaler Offenheit demaskiert.
Die Arbeiten von Sue Williams sind keine leichte Kost. Sie sind eine bewusste Provokation gegen das Schweigen. In ihrer Bildsprache, die oft an Karikaturen oder Comics erinnert, verbindet die Künstlerin brutale Szenen sexualisierter Gewalt und die alltägliche Bedrohung weiblicher Körper mit lapidaren Texten.
Die Demaskierung der Normalität
Williams nutzt die Leinwand ausdrücklich für die Auseinandersetzung mit Selbsterlebtem. Dabei geht es ihr nicht um die bloße Darstellung von Einzelschicksalen, sondern um die Sichtbarmachung einer strukturellen Dimension:
- Systematische Abwertung: Ihre Werke benennen, was oft verdrängt wird – wie sehr psychische und physische Gewalt gegen Frauen Teil der gesellschaftlichen Normalität sind.
- Gegen das Verschweigen: Sie legt die Mechanismen des Bagatellisierens offen und bricht mit der Tradition, in der Gewalt oft hinter Tabus versteckt wird.
Bruch mit der männlichen Kunsttradition
Besonders radikal ist Williams’ Antwort auf die klassische Kunstgeschichte. Über Jahrhunderte hinweg wurde Missbrauch und Unterwerfung in der männlich dominierten Malerei oft mythologisch oder allegorisch verklärt und als ästhetisierte Nacktheit dem voyeuristischen Blick dargeboten.
Williams setzt dieser Ästhetisierung von Gewalt unbequeme, rohe Bilder entgegen. Sie fordert die Grenzen dessen heraus, was Malerei leisten kann und muss, um die Realität weiblicher Erfahrung unverfälscht abzubilden.
Neben ihren malerischen Werken umfasst die Ausstellung im Belvedere 21 auch vereinzelt skulpturale Arbeiten, die Williams’ wütenden und kompromisslosen Blick auf die Welt vervollständigen.
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