Sue Williams im Belvedere 21: „Was kommt als Nächstes?“

Die US-amerikanische Malerin Sue Williams kehrt nach Wien zurück – eine Stadt, die sie bereits in den 90er-Jahren als Lehrende prägte. In der Ausstellung „WHAT NOW“ im Belvedere 21 blickt sie auf ihr bewegtes Werk zurück und stellt gleichzeitig die drängenden Fragen unserer Zeit.

Für Sue Williams ist die Rückkehr nach Wien eine Reise in die eigene Vergangenheit. In einem persönlichen Interview im Belvedere 21 erinnert sie sich an die Mitte der 90er-Jahre, als sie an der hiesigen Akademie unterrichtete. Damals erschien ihr Wien wie ein „verschlafener Ort“, heute hingegen bewundert sie die lebendige Energie und die prachtvolle Architektur der Stadt. Besonders die Wiener Secession hat es ihr angetan – ihr absolutes Lieblingsgebäude weltweit.

Der Weg zur eigenen Stimme

Williams’ künstlerische Laufbahn ist geprägt von Widerständen und radikalen Wendepunkten:

  • Der Schock von CalArts: Als sie am California Institute of the Arts (CalArts) Ölmalerei und Realismus lernen wollte, traf sie auf eine Szene, die die Malerei für tot erklärt hatte. John Baldessari hatte seine Werke symbolisch verbrannt.
  • Doodling gegen das Dogma: Während Konzeptkunst und Video dominierten, hielt Williams an ihren Zeichnungen und kleinen Figuren fest – zunächst als Akt der Differenzierung, später als ihr Markenzeichen.
  • Das Private wird politisch: Lange empfand sie es als beschämend, über eigene Erfahrungen zu malen. Erst als sie diesen Mut aufbrachte, eröffnete sich ihr ein völlig neues künstlerisches Feld, das die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion auslotet.

Zwischen Abstraktion und politischer Angst

In ihrer aktuellen Arbeit beschäftigt sich Williams mit der Spannung zwischen Farbe und Inhalt. „Sobald etwas Figuratives im Bild ist, zieht es das Auge sofort als Inhalt an“, erklärt sie. Doch in der Abstraktion sieht sie die Freiheit, Farbe als reines Material zu feiern.

Der Titel der Schau, „WHAT NOW“ (Was nun?), ist eine direkte Reaktion auf die aktuelle globale Lage und die politische Situation in den USA. „Alle haben Angst“, sagt Williams. Der Titel stellt die bange Frage, was in den USA und weltweit als Nächstes passieren wird.

Eine Retrospektive der Veränderung

Für die Künstlerin bietet die Ausstellung im Belvedere 21 die seltene Gelegenheit, Werke zu sehen, die sie teils seit Jahrzehnten nicht mehr vor Augen hatte. Es ist eine Schau, die zeigt, wie sehr sich ihre Malerei über die Jahre gewandelt hat – ermöglicht durch eine frühe Karriere und die Zeit, sich ganz ihrer Kunst zu widmen.

Mehr unter: belvedere.at

Eine Frau steht im Museum. Die Tafeln im Hintergrund sind unscharf. Auf dem Bild steht: Barrierefrei kommunizieren im Museum mit Leichten Bildern. Expertenwissen kompakt. Workshop am 23. Septemner 9 - 11 Uhr
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