Der sächsische Liebermann: Städtische Galerie Dresden würdigt Otto Altenkirch

Über 2.300 Landschaftsgemälde, ein perfektionierter Spachtelauftrag und eine Technik, die manchen seiner berühmteren Kollegen voraus war: Die Städtische Galerie Dresden zeigt eine Ausstellung über den zu Unrecht vergessenen Dresdner Maler Otto Altenkirch.

Ein Maler zwischen Hoftheater und freier Natur

Otto Altenkirch kam mit seinem Lehrer Eugen Bracht von Berlin nach Dresden – und blieb. Nach dem Studium an der Kunstakademie sicherte er sich ab 1910 mit der Stelle als leitender Hoftheatermaler die materielle Grundlage für das, was ihm wirklich am Herzen lag: die freie Landschaftsmalerei. Mehr als vier Jahrzehnte widmete er sich diesem Sujet mit einer Konsequenz, die ihresgleichen sucht. Über 2.300 Landschaftsgemälde entstanden in dieser Zeit – von denen sich heute noch etwa 500 lokalisieren lassen.

Alla Prima: Malen auf einen Sitz

Das titelgebende Prinzip der Ausstellung ist zugleich Altenkirchens bevorzugte Arbeitsmethode: alla prima, das vollständige Malen eines Bildes in einem einzigen Arbeitsgang, ohne Überarbeitungen nach dem Trocknen. Diese Technik verlangt Entschiedenheit, Geschwindigkeit und ein sicheres Gespür für Licht und Atmosphäre. Altenkirch beherrschte sie meisterhaft – und perfektionierte sie durch den konsequenten Einsatz des Spachtels statt des Pinsels, was seinen Bildern eine besondere Textur und Unmittelbarkeit verleiht.

Ziesar, Dresdner Heller, Siebenlehn: Eine Topografie des Alltäglichen

Die meisten seiner Werke entstanden in vertrauter Umgebung: in und um Ziesar, seinen Geburtsort, auf dem Dresdner Heller und im Umkreis seines Wohnsitzes in Siebenlehn. Keine exotischen Motive, keine dramatischen Kulissen – sondern die stille Schönheit mitteldeutscher Landschaften in wechselndem Licht und Wetter. Gerade in der Wiedergabe von Wetter- und Lichtstimmungen, so die Einschätzung der Forschung, war Altenkirch mitunter innovativer als seine bekannteren Kollegen.

„Der sächsische Liebermann”

Unter Zeitgenossen galt er als „der sächsische Liebermann” – ein Vergleich, der seine Einordnung in die impressionistische Tradition ebenso benennt wie seine regionale Verwurzelung. Dass sein Name heute kaum noch bekannt ist, macht die Ausstellung in der Städtischen Galerie Dresden zu einer echten Wiederentdeckung.

Mehr unter: galerie-dresden.de

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