Hinterglasmalerei, Spiegel, Fragmente – Nick Mauss schafft im Lenbachhaus einen Raum, in dem Bedeutung sich ständig neu formiert. Und fragt dabei nach den Grenzen dessen, was Kunst in Worte zu fassen ist.
Manche Kunstwerke entziehen sich der Beschreibung – nicht weil sie rätselhaft wären, sondern weil Sprache schlicht nicht ausreicht, um ihre Wirkung zu erfassen. Genau dieses Spannungsverhältnis steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Shifting the Silence. Die Stille verschieben” im Lenbachhaus München, die das Werk des amerikanischen Künstlers Nick Mauss mit einem zentralen Gedanken der Malerin und Schriftstellerin Etel Adnan verbindet.
Adnans gleichnamiges Buch bildet den konzeptuellen Rahmen: Sprache ist nicht nur ein Mittel der Verständigung – sie ist auch begrenzt, manchmal sogar hinderlich, wenn es darum geht, vielschichtige Wahrnehmungen zu vermitteln. Adnans Vorschlag: die Stille „verschieben” – die Grenzen des Sagbaren erweitern und das Poetische künstlerischer Ausdrucksformen als Eigenwert annehmen, statt es in Sprache aufzulösen.
Episodes: Sieben Hinterglasmalereien als Wahrnehmungsraum
Nick Mauss’ Installation „Episodes” besteht aus sieben Hinterglasmalereien, die gemeinsam einen vielschichtigen Wahrnehmungsraum bilden. Objekt, Zeichnung und Spiegelung treffen aufeinander – die Spiegel fungieren dabei nicht als neutrale Flächen, sondern als Träger von Spuren, Gesten und Brüchen. Was entsteht, ist ein Raum zwischen Kunstgeschichte, Körper und Blick, in dem das Fragmentarische und Unvollendete nicht als Mangel erscheint, sondern als eigene Ausdrucksqualität. Bedeutung bleibt in Bewegung, formiert sich neu – und widersteht dem Wunsch nach abschließender Deutung.
„Shifting the Silence” ist damit mehr als eine Ausstellung: Es ist eine Einladung, anders zu sehen – und das Schweigen zwischen den Dingen als Teil der Kunst anzunehmen.
Produktion: Pech und Schwefel GmbH
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