Sepp Auer: Linie · Fläche · Raum – Ein Dialog mit dem Material

Das Werk von Sepp Auer ist eine Einladung, die Grenzen des Sichtbaren neu zu vermessen. In seiner Ausstellung im ehemaligen Bahnhof – einem Ort, der Architektur und Geschichte atmet – zeigt der Künstler, wie aus stählernen Linien und farbigen Flächen neue Räume entstehen.

Sepp Auer führt uns durch die ehemaligen Stallräume und den Dachboden eines alten Bahnhofs, den er selbst für seine Kunst adaptiert hat. Für ihn ist der Raum nicht nur Kulisse, sondern zentrales Thema und Partner im künstlerischen Prozess [00:18, 01:48].

Architektur und Ironie

Auer legt großen Wert darauf, dass der Raum möglichst frei bleibt. Er vermeidet das „Käfigen“ von Maschinenräumen durch Wände und setzt stattdessen auf Durchlässigkeit [00:31, 00:49].

  • Humor im Detail: Eine Gitterkonstruktion aus einem Abbruchhaus in Braunau bezeichnet er als „Wunschstück“ und verweist auf den Humor der Menschen hinter solchen Alltagsgegenständen.
  • Raumzeichnungen: Auer schafft „Raumzeichnungen aus Stahl“, die physisch erfahrbar machen, wie ein Raum schrumpfen oder sich ausdehnen kann.

Die Farbe als Information

Ein markantes Beispiel für Auers Umgang mit Fläche ist das Werk „Gelbsucht“. Eine Leinwand in einem warmen, sonnigen Gelbton, die mit einem ironischen Textfragment versehen ist. Für den Künstler ist ein Bild grundsätzlich eine „Fläche mit Information“. Er nutzt Text als zeitgemäßes Mittel, um Aussagen zu vermitteln, und erklärt sogar Textfragmente oder Telefonnummern zu modernen Bildkomponenten.

Widerstand und Form

Die Ausstellung zeigt die Möglichkeiten der künstlerischen Gestaltung auf, wobei Auer oft den Widerstand gegen übliche Handlungsweisen sucht.

  • Schutz und Raum: Eine Metallkonstruktion dient ihm dazu, ein Bild vor „Aggressionen“ zu schonen oder ihm schlichtweg mehr Raum zu geben.
  • Die Merkwand: Inmitten präziser Konstruktionen zeigt eine Wand Auer’s „übliche Schlamperei“ – eine Sammlung von Notizen, Ideen und Erinnerungen, die als Gedankenspeicher dient.

„Was passiert, wenn…“

Angetrieben wird Sepp Auer von einer tiefen Neugierde. Sein Leitsatz lautet: „Was passiert, wenn…“. Er betont, dass seine Inspiration nicht vom Kunstmarkt kommt, sondern aus einem inneren Anspruch heraus entsteht. Mit Rückgriffen auf Künstler wie Alfred Kubin und einer gesunden Portion gesellschaftskritischem Humor schafft er Werke, die Antworten auf die Komplexität unserer Zeit geben.

Mehr unter: www.ooekultur.at

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