Samuel Baah Kortey – CoMuse Fellow 2025 – über Haar, Geschichte und Heilung

Wie können koloniale Sammlungen zu Orten der Heilung werden? In seinem Projekt „Den Heilungsprozess nicht übereilen“ nutzt der ghanaische Künstler Samuel Baah Kortey ein zutiefst persönliches und zugleich politisches Thema – das Haar –, um Brücken zwischen Berliner Museumsobjekten und der lebendigen afrodeutschen Geschichte zu schlagen.

Als Fellow des CoMuse-Programms hat Kortey im Jahr 2025 die Bestände des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst in Berlin untersucht. Sein Ansatz: Er blickt nicht nur auf die Artefakte hinter Glas, sondern rückt die Menschen und ihre mündlichen Überlieferungen ins Zentrum.

Haar als Archiv menschlicher Erfahrung

Haar ist weit mehr als Ästhetik; es ist ein Träger von Identität, Kultur und Emotion. Kortey verknüpft in seinem Projekt visuelle Artefakte der Sammlungen mit modernen Tonaufnahmen und Erzählungen aus der Community:

  • Multisensorisches Erleben: Das Projekt kombiniert Exponate mit Soundscapes, um Empathie zu wecken und eine Verbindung zu schaffen, die über das rein Visuelle hinausgeht.
  • Fokus auf Oral History: Mündliche Überlieferungen der afrodeutschen Community werden zu zentralen Exponaten. Sie fordern das klassische, oft einseitige koloniale Erbe der Museen heraus.
  • Geduld als Prinzip: Der Titel „Den Heilungsprozess nicht übereilen“ ist Programm. Er plädiert dafür, den schmerzhaften Prozess der Dekolonisierung mit der nötigen Tiefe und Sorgfalt zu behandeln, statt vorschnelle Lösungen zu präsentieren.

CoMuse: Museen neu denken

Das Projekt ist Teil der Initiative CoMuse – Das Kollaborative Museum. Hier experimentieren die Berliner Museen mit neuen Wegen der Forschung:

  • Multiperspektivität: Künstler wie Kortey bringen Sichtweisen ein, die in der traditionellen Wissenschaft oft fehlten.
  • Nachhaltige Diversifizierung: Es geht nicht um einmalige Ausstellungen, sondern um eine dauerhafte Veränderung der Museumspraxis.
  • Bildung und Diskurs: Korteys Arbeit versteht sich als Impulsgeber für neue Bildungsformate, die komplexe historische Themen für ein breites Publikum greifbar machen.

Das nun veröffentlichte Video dokumentiert Korteys Reise durch die Archive, zeigt seine künstlerischen Herausforderungen und lädt das Publikum ein, Teil dieses wichtigen Heilungsprozesses zu werden.

Mehr unter: comuse.org/fellowships und www.smb.museum

Museumskalender

Bild mit der Aufschrift "Museumsnachrichten". Link zu den Nachrichtentexten auf museumsfernsehen.de

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